Sumpf, Schweiß und Sex


Missouri: Wenn sie nach ihrer Musik gefragt werden, gibt es zuweilen Probleme. Einmal, am Flughafen von San Francisco, standen die vier Männer von der Band am Zoll, jeder unterm Arm ein altes Tasteninstrument. „Ah, ihr seid eine Band“, sagte der Grenzer. Die vier Männer nickten. „Was denn für eine?“ Die vier Männer guckten sich an, dann sagte einer: „Gitarrenband.“ Da kratzte sich der Grenzer am Kopf, und Missouri mussten vier Stunden lang fünf finster blickenden Ami-Bullen erklären, warum sie Tasteninstrumente trugen. Seitdem sind Missouri eine Orgelband. Aber das stimmt natürlich auch nicht. Ihr drittes Album in voodoorama macht die Sache schwierig. Was ist das denn, wenn eine Slide-Gitarre über angesägte Computer-Beats läuft, von einem zackigen Orgel-Akkord getrieben wird und eine Stimme trägt, die nach Soul klingt? Disco-Blues? Orgel-Folk?Weiß man nicht. Hört man nur und freut sich, dass es so was gibt. „£rs( derÄrsch, dann der Kopf – das ist Soul“, sagt Missouri-Sänger Red, der momentan an einem Kriminalroman schreibt. Und dann: „Diese Platte ist ein Stotemenl gegen dieses Jungsmusik-Nerdtum. Es geht nicht darum, wie man Musik definiert. Man muss Musik wieder hören, wie Frauen Musik hören. Die hören was, und es wirkt oder nicht – der Rest ist egal.“ Red macht Musik, seitdem er 16 ist; jetzt ist er 31 und hat seine Plattensammlung größtenteils verkauft. Gitarrist Frank Mollena, Tastenmann Christian „Wuschi“ Ebert und Steel-Gitarrist Carter Cain sind auch so drauf, Missouri gibt es seit sechs Jahren. Eine Hälfte der Band lebt in Hamburg, die andere in Nürnberg, wo sich auch das bandeigene Lonestar-Studio befindet. Die beiden Hamburger – Red und Carter Cain – sind neuerdings Mitglieder der famosen Musikgruppe Fink. Immer geht es um Musik, das ist der Lebensinhalt der Missouri-Männer, das war ein Entschluss. „Es ist das Ende der Rentenvorsorge, aber es ist Leidenschaft“, sagt Red. Auch wenn man mit ihm über in voodoorama spricht, fällt irgendwann das Wort Leidenschaft. „Die Platte handelt ja letztendlich davon“, sagt er. „Sie ist eine Zusammenstellung von Kurzgeschichten, die alle mit Leidenschaft zu tun haben. Deswegen ist die Musik nicht etwa depressiv – sie ist düster-romantisch. “ Und irgendwie ist sie feucht. Wie der Nebel über den Fluss legen sich diese molligen Tonflogen auf des Hörers Gemüt. „Die Platte klingt nach Sumpf und Schweiß“, sagt Red und hat den Sex vergessen.