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Tropfende Decken, Klaviermusik und die Beatsteaks als Überraschungsgäste – so war es beim Reeperbahn Festival 2014

Einmal im Jahr platzt die Hamburger Reeperbahn aus allen Nähten. Wenn sich die üblichen Partywütigen mit den rund 30.000 Fach- und Festivalbesuchern mischen, ist der Begriff „reges und buntes Treiben“ noch weit untertrieben. Das Reeperbahn Festival findet jährlich vier Tage lang im September statt und bietet etliche Programmpunkte – Konzerte, Konferenzen zu Themen der Musikbranche, Kunst und das Ganze verteilt in St. Pauli, dem Rotlichtviertel Hamburgs.

Kunstvoller Donnerstag: Heiße Angelegenheiten im Molotow und Performance-Art im Beton-Bunker

Die ganz großen Namen sucht man hier jedoch vergeblich, denn der Fokus liegt eindeutig darauf Neues kennenzulernen und sich inmitten der Club-Atmosphären verzaubern zu lassen. Ob nun ein schweißtreibendes Indie-Konzert der Briten von Childhood im wiedereröffneten Molotow oder eine Vorführung des deutschen Pianisten Hauschka in der Beton-Architektur des Mojo Clubs. Hektisches Hetzen von Location zu Location steht schon mal nicht auf der Tagesordnung. So findet man sich wieder im sogenannten Neidklub bei einem lärmendem, energiegeladenen Auftritt der kanadischen Punk-Band Dearly Beloved oder aber im futuristisch gestalteten Moondo mit Ballet School, einer Band, die sich an der Berliner U-Bahn-Station Rosenthaler Platz kennenlernte und die nun bei Bella Union unter Vertrag ist, das Label ihrer großen Vorbilder Cocteau Twins.

Den ein oder anderen namhaften Act konnte man sich beispielsweise am Donnerstagabend zu Gemüte führen oder sich eben bewusst gegen The Subways und Boys Noize entscheiden. In „Hamburgs Krimitheater“, dem Imperial Theater, traten nämlich zeitgleich Lisa-Kaindé and Naomi Diaz auf. Die beiden französisch-kubanischen Zwillingsschwestern nennen sich Ibeyi, was so viel bedeutet wie „Zwillinge“ und singen nicht nur auf Englisch, sondern ebenso in Yoruba, die Sprache ihrer afrikanischen Vorfahren. Die beiden sind blutjung, aber lassen das Publikum mit einer Prise offensichtlicher Nervosität und Verlegenheit schmunzeln und selbst ein Texthänger wird verziehen, da sie mit ihrem rohen, authentischen Sound und nahezu lieblichen Stimmen jeden Anwesenden dennoch um den Finger wickeln.



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