Kommentar

„Weißt du, wie man twerkt?“: DJ Martin Solveig outet sich als Sexist

Am gestrigen Abend, dem 3. Dezember, fand in Paris die diesjährige „Ballon d’Or“-Gala statt. Der Goldene Ball für den besten Fußballer der Welt wird seit 1956 von der französischen Fachzeitschrift „France Football“ verliehen und gilt als die größte individuelle Auszeichnung, die ein Fußballer erhalten kann.

In diesem Jahr führten der ehemalige Weltklassestürmer David Ginola und der französische DJ und Produzent Martin Solveig durch die Veranstaltung, bei der erstmals in der 62-jährigen Geschichte des „Ballon d’Or“ auch die beste Fußballerin der Welt ausgezeichnet wurde. Der Preis ging an die Norwegerin Ada Hegerberg, die – nachdem sie den Goldenen Ball aus den Händen David Ginolas erhielt – ein flammendes Plädoyer an Frauen und Mädchen auf der ganzen Welt hielt, an ihre Träume zu glauben und sich weiter für Gleichberechtigung einzusetzen.

Im Anschluss sollte Martin Solveig, der die Übergänge des Events mit seinen Hits wie „Hello“ (Platz 1 der österreichischen Charts 2010) und „Intoxicated“ (Platz 5 der UK-Charts 2015) füllte, Ada Hegerberg kurz interviewen. Die Fußballerin bot dem Musiker nicht nur durch ihre sportlichen Leistungen, sondern auch durch ihre Dankesrede, mehr als genügend Gesprächsthemen. Solveig entschied sich jedoch dazu, die Unterhaltung mit folgender Frage zu eröffnen: „Weißt du, wie man twerkt?“ Fassungslosigkeit im Gesicht Ada Hegerbergs und Solveigs Co-Moderators David Ginola.

Lieber jede Floskelfrage der Welt als diese Peinlichkeit

Noch einmal kurz, um die Absurdität dieser Situation zusammenzufassen: Du sollst die weltbeste Fußballerin interviewen, kannst ihr im Zweifelsfall die Floskelfragen der Sportwelt stellen – Wie fühlt es sich an, diese Auszeichnung erhalten zu haben? Welchen Anteil hat ihre Mannschaft an dieser Auszeichnung? – und du entscheidest dich dazu sie zu fragen, ob sie in der Lage ist mit ihrem Hintern zu wackeln?

Hegerberg antwortete sichtlich angewidert mit einem kurzen, prägnanten „Nein“ und wollte bereits das Podium verlassen. David Ginola konnte sie jedoch noch vom Bleiben überzeugen, nur um miterleben zu müssen, wie Martin Solveig die Fußballerin noch zu einem Paartanz mit ihm nötigte – eine unangenehme Situation für alle Zuschauer, und natürlich ganz besonders für Ada Hegerberg, die im größten Moment ihrer Karriere zu einem für Männer sexuell reizvollen Objekt degradiert wird.

Der Shitstorm auf Solveigs plumpen Sexismus ließ nicht lange auf sich warten. Tennisprofi Andy Murray kommentierte etwa in seiner Instagram-Story: „Ein weiteres Beispiel für den lächerlichen Sexismus, den es im Sport immer noch gibt.“ Ein Wikipedia-User änderte kurzfristig den Beitrag Martin Solveigs:

Martin Solveig meldete sich bereits kurz nach Ende der Veranstaltung in einem Twitter-Video zu dem Vorfall und schob ihn auf seine angeblichen mangelhaften Kenntnisse der englischen Sprache und Kultur. Was die damit zu tun haben sollen, erklärt er jedoch nicht. Des Weiteren erklärte der French-House-Produzent, es habe sich nur um einen Witz handeln sollen, der darüber hinaus von vielen aus dem Kontext gerissen wurde. Auch hier erklärt Solveig nicht, wie dieser Kontext seiner Ansicht nach aussah. Im dazugehörigen Tweet ließ er darüber hinaus wissen, dass „Leute, die mich seit 20 Jahren kennen“ wissen, wie respektvoll er besonders mit Frauen umgehe. Dass es nichts mit Respekt zu tun hat, eine erfolgreiche, unabhängige Frau auf ihren Körper zu reduzieren und sie dann auch noch in einer für sie unangenehmen Situation zu Körperkontakt zu nötigen, sollte Solveig spätestens Montagabend dazu gelernt haben.


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