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Tortoise The Catastrophist

Thrill Jockey/Rough Trade VÖ: 22. Januar 2016

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In einem Review zum 2004er-Album IT’S ALL AROUND YOU stellte ein Kritiker der US-Wochenzeitschrift The Village Voice die Behauptung auf, bei Tortoise handele es sich im Grunde um eine experimentelle HipHop-Gruppe, schließlich gehe es in den Tracks hauptsächlich um Groove und Struktur – und genau das sei doch das herausragende Merkmal des HipHop, lässt man mal die MCs weg.

Ein interessanter Gedanke, der zu dem Spiel verführt, sich die Musik der Postrock-Pioniere aus Chicago mit Rappern an Bord vorzustellen. Ganz anders dachte vor kurzem jemand in einer launigen Runde unter Plattenhörern: Gibt es nicht auf den frühen Soloalben von Phil Collins ein halbes Dutzend Songs, die klingen, als hätten Tortoise die Backingtracks eingespielt? Wer das für eine Schnapsidee hält: „Hand In Hand“ von FACE VALUE auflegen – und staunen. Eines zeigen die immer neuen Thesen und Beobachtungen über Tortoise allemal: Die Band ist weiterhin gut für Diskurse.

Dass mit THE CATASTROPHIST nach sieben Jahren Pause ein hochinteressantes neues Tortoise-Album erscheint, ist daher eine große Freude. Die Platte beginnt mit zwei soliden Tracks, dann nehmen sich Tortoise den alten Knaller „Rock On“ des britischen Loverboys David Essex vor – der Song, der Michael Stipe zu seiner Großtat „Drive“ inspirierte: „Hey kid, rock and roll, rock on, ooh, my soul“. Die Tortoise-Version (mit Gastsänger Todd Rittmann von der Noiseband U.S. Maple) klingt träge und groovy: Classic Disco-Rock für eine Welt mit leicht verschobener Matrix.

Noch einmal ist Gesang zu hören: Georgia Hubley von Yo La Tengo singt „Yonder Blue“, ein softer Schleicher, den man Yacht-Besitzern ruhigen Gewissens empfehlen kann. Wem das zu weit vom eigentlichen Tortoise-Kern entfernt ist: „Gesceap“ läuft siebeneinhalb Minuten, moduliert von kosmischer Musik in eine Free-Rock-Improvisation und ist am Ende tanzbar, zumindest für Leute mit Knoten im Kopf und in den Beinen.

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