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9 beruhigende Momente, die wir bei At The Drive-In in Berlin erlebt haben

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Die aktuelle Reuniontour der Hardcorehelden von At The Drive-In stand nicht unbedingt unter einem guten Stern. 2001 und damit kein Jahr nach ihrem Meisterwerk RELATIONSHIP OF COMMAND löste sich das Quintett aus El Paso im Streit auf – Augenzeugen ihrer damaligen Live-Shows ahnten bereits darum. 2009 erinnerte sich Songwriter und Gitarrist Omar Rodriguez-López, mittlerweile mit The Mars Volta und in etlichen anderen Bands aktiv, an die Gründe des Splits: Neben persönlichem Ärger habe man sich schlichtweg künstlerisch nichts mehr zu sagen gehabt. Mittlerweile habe man zwar Frieden geschlossen, „but do I want to reunite and play fucking 15-year old songs?“, so seine rhetorische Frage mit der Antwort: „Well, it would be like asking you, ‘do you want to get back together with your first girlfriend?’ You learn some amazing things together, but I just shudder at the thought.“ Er hat ja recht: Einer so progressiven Band wie At The Drive-In traut man eigentlich keine Reunion nur der Nostalgie und des Geldes wegen zu.

Umso überraschender: Bereits 2012 traten At The Drive-In wieder auf ein paar Festivals gemeinsam auf. Damals sah Rodriguez-López darin die Beendigung eines Kapitels. Vier Jahre später, Anfang 2016: At The Drive-In kündigen eine Welttournee in Originalbesetzung an, man habe wieder Bock, und im Videoteaser zu dieser Botschaft war gar neue Musik zu hören. Angeblich arbeite man an neuen Songs, bloß sollte auf den ersten Comebackkonzerten nichts davon zu hören sein. Zudem musste die Band nur eine Woche vor Tourbeginn bekanntgeben, dass Gitarrist Jim Ward doch nicht mit dabei sein wird, dessen Sparta-Kollege Keeley Davis würde ihn ersetzen.

Und dann das.

9 beruhigende Momente, die wir bei At The Drive-In in Berlin erlebt haben

1. Vorbands sollte man auch heutzutage lieber nicht verpassen.

Les Butcherettes, so sagt man sich im Publikum, seien sehr überzeugend gewesen. YouTube unterstützt diese Behauptung.

2. Nicht jeder Mann muss im Alter Haare lassen.

Während das Ü-30-Publikum in der ausverkauften Berliner Columbiahalle zu einem nicht unerheblichen Teil aus Fleischmützen tragenden Männern besteht, sitzen die Afros von Cedric Bixler-Zavala und Omar Rodriguez-López wie am ersten Tag.

3. Skinny Jeans schränken die Bewegung doch nicht ein.

Nicht auszumalen, wie weit Zavala bei seinen Scherensprüngen die Beine noch auseinandergekriegt hätte, hätte er statt Jeans eine Joggingbuxe getragen.

4. Bühnenbilder sind überbewertet.

2001, in ihrem Durchbruchs- und Trennungsjahr, bespielten At The Drive-In hierzulande noch Mini-Venues wie das „Zwischenfall“ in Bochum und hielten ihr Publikum zum Stillstand an. 15 Jahre später stehen sie mit dem gleichen Equipment auf einer ungleich größeren Bühne – fast so, als ob ihnen vorab keiner die neuen Quadratmeterzahlen durchgegeben hätte – und lassen ihr Publikum sich so verausgaben, wie es Bixler-Zavala selbst tut.



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