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Berliner Modelabel Muschi Kreuzberg beerdigt Influencer mit seiner „Defluencer“-Kampagne – angeblich

Was früher „Werbegesichter“ wie Verona Pooth aka Feldbusch waren, sind heute Influencer: Teflon-beschichtete Gute-Laune-Pillen auf zwei Beinen, die ihr Geld damit verdienen, dass sie andere Menschen an ihrem priviligierten Leben aus Reisen, Gästeliste und Goodie-Bags teilhaben lassen.

Das Schlimme daran: der komplette Medienbetrieb hat sich dieser Schar aus Twentysomethings devot unterworfen, zahlt absurde Summen, damit sie möglichst subtil im Umfeld des Influencers platziert werden und durch das „Native Advertising“ auch etwas von der Millionen-Zielgruppe des YouTubers / Snapchatters / Instagrammers / Models / Moderators / Lebenskünstlers abkriegen.

Muschi Kreuzberg, Kultlabel aus Berlin, hat sich mit seiner „Defluencer“-Kampagne zum Ziel gesetzt, genau diese Personengruppe zu beerdigen – natürlich indem es ein möglichst ironisches, auf mehreren Meta-Ebenen aufbauendes Musikvideo voller C-Influencer-Prominenz dreht.

In dem Clip, dessen musikalische Untermalung von Manny Marc, Joshi Mizu und Lil‘ Budget kommt, sehen wir also die Gesichter von Leuten wie Visa Vie, Nura von SXTN und Nikeata Thompson und wie sie möglichst glaubhaft versichern, dass dieser ganze Hustle um Gästelistenplätze für die exklusivsten Partys der Stadt und Freiware vom streng limitierten Supreme-Drop eigentlich gar nicht so der real shit sei.

Das Problem dabei: Durch eine solche Kampagne wird Muschi Kreuzbergs Kollektion aus Slogan-Shirts, wie „Anti Social Network Club“ und „Fakers“, eben solche Leute ansprechen: Influencer und Hypebeasts, die sich durch das Tragen solcher offensichtlich anprangernder Mode als super-selbstironisch porträtieren können und damit noch ein paar Authentizität-Punkte bei ihren hörigen Followern sammeln werden können.

Für alle anderen, die keine „10k“-Follower auf „Insta“ haben (und eben deswegen wahrscheinlich trotz all des Kampagnen-Brimboriums kostenlos von Muschi Kreuzberg eingekleidet werden), gibt es die „Defluencer“-Kollektion ab sofort online zu kaufen. Die Preise reichen dabei von 36 bis 79 Euro.

Den „Defluencer“-Kampagnen-Clip könnt Ihr Euch übrigens hier ansehen:


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