Charisma aus Kanada: The Traqically Hip

MONTREAL. Vereinzelte Wahlplakate zum unlängst beendeten Referendum für die Sezession der französisch-sprachigen Provinz Quebec hängen windverzupft noch an den Bäumen vor der Universite de Montreal. In deren Eishockeyhalle jedoch, dem“.Centre sportif“. herrscht unter den 4000 Zuschauern eine zweisprachige Einigkeit: Die aus dem (englischsprachigen) Kingston Ontario stammenden Tragically Hip sind Kanadas derzeit vielversprechendste Band.

Und so huldigen die Fünf mit dem Opener „Fifty Mission Cap“ denn auch dem Nationalsport Nr. I und einem 1951 unter mysteriösen Umständen verschwundenen Eishockeyspieler der Toronto „Maple Leaf. Daß Leadsänger Gordon Downie und seine Band dabei auf einer Bühne über der abgedeckten Eisfläche singt, derweil ihm die Zuschauer wie die Spatzen an der Wand gegenübersitzen, entbehrt nicht einer symbolischen Komik — und läßt zugleich die Akustik in dem rechteckigen, schuhkastenförmigen Saal wie einen Puck im Abseits landen.

Der Begeisterung tut das keinen Abbruch. Denn das Gütezeichen der Band, die ohne Schnörkel vorgetragenen harten Gitarrenriffs von Bobby Baker und Paul Langlois (unterstützt von Bassist Gord Sinclair) und die messerscharfen Drumbeats von Johnny Fay (die besonders in den Balladen jedoch des Guten zuviel sein können), bringen die Eisklotz-Atmosphüre schnell zum schmelzen. Und wenn Baker ein heißblütiges Gitarrensolo einschiebt, vermeint man gar einem abtrünnigen Desperado der Allman Brothers zu lauschen.

Angelpunkt jedoch ist Leadsänger Gordon Downie. der gelegentlieh wie ein entfernter Verwandter von Michael Slipe klingt — auch wenn The Tragically Hip einen „Teen Spirit“-Ireien Geradeaus-Rock ’n‘ Roll in den Saal fetzen können (vergeßt die Balladen. Jungs!], der noch nach dem Staub und Dieselöl einer Garagenband klingen kann. Ein lohnender Club-Gig — selbst auf Eis.

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