Der Triphop, wie und ob er überhaupt in die Welt kam.


Wie so ziemlich jede von Journalistenhirn ersponnene Genrebezeichnung fand auch der Neologismus Trip-Hop von Mixmag-Autor Andy Pemberton 1994 wenig Gegenliebe auf Seiten derer, denen er einen Namen geben wollte. Aber irgendwie musste diese Bewegung, die da Ende der 8oerausgehendvon Bristol um die Welt marschierte, doch zu greifen sein. Was Massive Attack da drei Jahre zuvor auf ihrem Debüt blue lines veranstalteten, war schließlich kein lupenreiner HipHop, Soul oder gar Funk mehr. Da mochten all die aufkommenden Künstler und Labels wie das ’91 von der Gruppe Coldcut gegründete Ninja Tune und Mo’Wax (um den späteren Unkle-Gründerjames Lavelle) noch so oft behaupten, sie würden eigentlich „Abstract Hip Hop“ produzieren. Nicht zuletzt die Popularität dieses basslastigen, loopintensiven, selten 90 BPM überschreitenden Düstersounds in Kifferkommunen verlieh dem Begriff Trip-Hop eine nicht von der Hand zu weisende Legitimation. Doch der Bekanntheitsgrad dieser Mixtur aus Breakbeats, Acid Jazz, Dub und Psychedelia ragte weit über verrauchte WG-Küchen und semilegale Kellerclubs hinaus. Großwerke wie DJ Shadows Debüt endtroducing… (1996) oder Kruder& Dorfmeisters Eintrag in die DJ-Kicks-Reihe des Berliner Labels !K7(1996) etablierten sich weltweit zum Standardrepertoire studentischer Plattensammlungen. Insbesondere die ehemaligen Mitglieder des Soundsystems The Wild Bunch (zwischen 1983 und 1986 aktives Künstlerkollektiv aus Bristoler Punk-, Reggae und R&B-DJs und -Musikern) stiegen bald zu Global Players auf: Tricky räumte gleich mit seinem Debüt maxi nquaye den renommierten Mercury Prizeab, Nellee Hooperavanciertezum High-Class-Produzenten(u.a.U2, Madonna, CwenStefani) und Massive Attack sind bis heute selbstverständlich gebuchte Festivalheadliner. Und dann waren da natürlich noch die mächtigen Portishead (benannt nach einem Bristol-nahen Kaff), deren erste beide Alben dummy (1994) und portishead (1997) man jeweils umgehend als Klassiker des Zeitgeistes ihres Jahrzehnts akzeptierte. Ihre Breitenwirkung war so enorm, dass sich sogar Dauerbrunftbolzen Tom Jones ihrer orchestralen Suizidmotivation „All Mine“ an- und 1999 für sein Allstar-Comeback reload neu aufnahm. Zu dieser Zeit hatte sich der Trend Trip-Hop allerdings schon wieder in seine Räucherstübchen zurückgezogen. Längst hatten sich ultrahochbeschleunigte Varianten wie der Big Beat herauskristallisiert und ihrerseits Millionen begeistert. „Post-Trip-Hop“-Bands glitten, wie Morcheeba, entweder rasch in radiofreundliche White-Soul-Niederungen ab oder hoben den Trip-Hop, wie Goldfrapp auf deren Debüt FELTMOUNTAIN mit sphärischen Soundspuren auf die nächste Stufe. Zehn Jahre nach dem Ursprungsboom des Trip-Hop läutete dann Damon Albarn mit dem selbstbetitelten Erstling seiner Gorillaz den zweiten Frühling des Genres ein. Mit Anleihen an so ziemlich jede Stilrichtung angereichert, verkaufte die Platte über sechs Millionen Kopien; die erste offizielle Single-Auskopplung „Clint Eastwood“ wurde zum alternativen Sommerhit 2001-das endgültige Popbekenntnis des Trip-Hop.