Die große Nummer im kleinen Club: Huey Lewis wird intim


KÖLN. Daß man das noch erleben durfte: die große Nummer im kleinen Kölner E-Werk. Die Nachricht von dem „News“-Auftritt muß sich in Windeseile herumgesprochen haben. Der rote Ziegelbau ist bis auf den letzten Stehplatz ausverkauft: Spätankömmlinge müssen die Zehenspitzen strapazieren. Da haben es die geladenen VIP’s auf der Galerie besser: dicke Luft, aber gute Sicht.

Das etwas vollmundig betitelte „Concert of the Year“ -— die Einladungskarte zeigt Huey im Schatten des Kölner Doms mit Mundharmonika im Anschlag -— beginnt fast pünktlich. Huey und seine Mannen -— im Verein mit Whitney Houston und Diana Ross die Konzertpleite ’91 in den Staaten -— hat mit dem Publikum hierzulande null Probleme. Die Band spielt wie ein Uhrwerk. Lewis, der hemdsärmelige Platinstar in den immer noch zu engen Jeans, serviert sein, inzwischen auf vier Alben verteiltes Best-Of-Material. Daß nur wenige Titel von der jüngsten LP HARD AT PLAY stammen, ist ein deutlicher Hinweis auf Hueys kreative Krise. „Platinum paranoia“ nennt man diesen Zustand unter Kollegen.

Von Verkrampfung konnte allerdings im E-Werk nicht die Rede sein. Geladene Gäste und zahlendes Publikum bejubelten die Männerschweiß-Mischung aus leidvollen Liebesballaden und hinterfotzigem Machotum. Doch selbst in dieser vergleichsweise intimen Club-Atmosphäre blieben Huey & Co. seltsam fremd. Zu vorhersagbar, zu zaghaft, zu gekonnt. Musikalisches Wetterleuchten, aber kein Blitz und kein Donner. Weder „Hearl And Soul“ noch „Hit Me Like A Hammer“.