Donna Summer – I still feel love


Die im Mai verstorbene Donna Summer und ihre Wirkung auf die elektronische Musik

Als sich am 17. Mai die Nachricht vom Tode Donna Summers im Internet verbreitete, dauerte es nicht lange, bis die sozialen Netzwerke, oder besser: das soziale Netzwerk voll war mit Kondolenzpostings. Aber nicht nur deine „Freunde“ und die „Freunde“ deiner „Freunde“ wünschten der im Alter von 63 Jahren an Krebs verstorbenen Disco Queen in Frieden zu ruhen. Auch eine Vielzahl von (elektronischen) Musikern würdigte den Einfluss der Sängerin auf die Popwelt oder auf sich persönlich. Peaches zum Beispiel schrieb: „Although I never agreed with her politics, I dearly loved Donna Summer’s music and vocal delivery. I love to end my dj sets by singing, Last Dance‘. The first album I ever bought was Bad Girls! R.I.P.“

Was Peaches mit „her politics“ meinte, geht auf die frühen 80er-Jahre zurück. Damals, kurz nach dem Aufkommen von AIDS, soll Donna Summer als „wiedergeborene Christin“ die Immunschwächekrankheit als „Strafe Gottes“ für den „unmoralischen Lebensstil“ der Homosexuellen bezeichnet haben. Es wurde nie abschließend geklärt, ob sie das tatsächlich so gesagt hat. Und es ist auch schwer vorstellbar. Die Gay-Ikone Donna Summer hat das immer wieder bestritten und Benefizkonzerte für Schwulenorganisationen und für die Bekämpfung von AIDS gegeben.

Was abschließend geklärt ist, ist die Wirkung Summers auf die Entwicklung der elektronischen Musik. Ihr Zusammentreffen mit den Produzenten Giorgio Moroder und Pete Bellote machte die zuvor streicherdominierte Discomusik elektronisch. Die Bassdrum rückte in den Mittelpunkt, der Synthesizer ersetzte die Streicher. Erstmals so geschehen auf der 1977 veröffentlichten Single „I Feel Love“. Zusammen mit dem ein Jahr vorher veröffentlichten „Trans Europa Express“ von Kraftwerk, das ähnlich war in Struktur, Instrumentierung und in der motorischen Wirkung, wurde „I Feel Love“ dank Resident-DJ Larry Levan zum Floorfiller in der Paradise Garage in New York. Der bereits 1978 entstandene 16-minütige Bootleg-Remix der Hi-NRG und Proto-House-Ikone Patrick Cowley, der erst 1982 offiziell veröffentlicht wurde, nahm einiges von den Remix-Techniken vorweg, die heute üblich sind. Cowley ließ die Bassline stellenweise für sich alleine stehen, loopte hooklinige Passagen und fügte irre Synthesizersounds hinzu.

Ein paar Jahre später wurde durch weitere Reduktion schmückender Beigaben aus Disco House und die moderne elektronische Musik, wie wir sie kennen.