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🔥Die Ärzte: Das sind die 10 erfolgreichsten Alben der „besten Band der Welt“

Farin Urlaub im Blitzinterview: „Es kommt halt ständig Musik aus mir raus”

ME: Dafür, dass Die Ärzte am Anfang, mit Verlaub, musikalisch nicht sonderlich viel konnten, war euer Output damals schon riesig. Ist es leichter, einfach mal was rauszuhauen und produktiv zu sein, wenn man wenig weiß? Oder umgekehrt: Wird es immer schwieriger, gute Songs zu schreiben, wenn man professioneller Langzeitmusiker ist?

Farin Urlaub: Hahaha, als „professionellen Langzeitmusiker“ hat mich noch niemand bezeichnet! Für mich war und ist Musik fast immer ein Ausdruck von Lebensfreude, es besteht also höchstens ein innerer Zwang dazu. Über Produktivität kann ich wenig sagen, es kommt halt ständig Musik aus mir raus. Mal schlechte, mal gute – aber ich finde es heutzutage eher leichter, neue Wege zu beschreiten.

ME: Allgemein gefragt: Was zeichnet gutes Songwriting aus?

Farin Urlaub: Das liegt immer im Ohr des Hörers, denke ich. Als Konsument bin ich für vieles offen. Mittlerweile finde ich ungehörte Kadenzen und Melodien spannender als ewig das c-f-g-a-Moll unserer eigenen Anfangstage, aber wenn’s zu angestrengt originell wird, bin ich wieder raus. Grundsätzlich sollte mich ein Lied erfreuen, unterhalten, überraschen und/oder auf eine kleine emotionale Reise mitnehmen.

ME: Wie diskutieren Die Ärzte über neue Song-Ideen? Einer schlägt etwas vor, und die anderen reagieren mit klassischem Daumen-Hoch oder Daumen-Runter?

Farin Urlaub: Es gibt zwei Phasen: Wir spielen uns gegenseitig die Demos zum jeweiligen Album vor und treffen eine Vorauswahl. Dann werden die Lieder, die „im Rennen“ sind, genauer unter die Lupe genommen und jeder macht Verbesserungsvorschläge – oder ist beleidigt, je nachdem.

ME: Sind dir einige Verhandlungen über Songs besonders in Erinnerung geblieben?

Farin Urlaub: Ja, aber das bleibt zum Glück bandintern. Wäre ja noch schöner!

„Ich habe mich einmal abfällig über Blumfeld geäußert, das war unfair und tut mir heute leid.”

ME: Im Booklet zu BERLINER SCHULE erklärst du, nach welchen Kriterien Stücke abgelehnt oder angenommen wurden, also auch ein wenig, wie Die Ärzte damals so getickt haben. Das ist ganz schön privat für eine Band, die sonst am liebsten wenig von ihrem Innenleben preisgibt. Sind dir die Linernotes leichtgefallen?

Farin Urlaub: Nachdem ich mich zu dem Schritt der absoluten Offenheit – und der damit einhergehenden Angreiffbarkeit – entschlossen hatte, wollte ich dann auch wirklich so informativ wie möglich sein. Immer die Einschränkungen des Platzes im Booklet im Hinterkopf behaltend natürlich.



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