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„Fyre“-Doku auf Netflix: Rapper und Festival-Gründer Ja Rule rastet auf Twitter aus

Am Freitag starteten mit „Fyre: The Greatest Party That Never Happened“ von Netflix und „Fyre Fraud“ von Hulu gleich zwei Dokumentationen zum krachend gescheiterten Luxus-Festival Fyre, das 2017 tausende Influencer, Rich Kids und Models auf den Bahamas stranden ließ. Statt Party mit Major Lazer gab es ohrenbetäubenden Baller-Techno, statt Luxusunterkünften Hurricane-Notzelte, statt Sterneküche Käse auf Toast. ME-Onlineredakteur Daniel Krüger erkannte in der Netflix-Produktion „Fyre“ gar ein „Manifest gegen Konsum und Kapitalismus“:

„Fyre“ entlarvt ein Stück weit die Scheinwelten, auf die so viele Leute tagtäglich reinfallen, die zum Sehnsuchtsort vieler werden.“

Nun hat sich einer der Hauptprotagonisten der Netflix-Doku, Rapper und Fyre-Gründer Ja Rule, via Twitter zu Wort gemeldet. Im Gegensatz zu seinem Geschäftspartner, dem selbst ernannten „Millennial-Entrepeneur“ Billy MacFarland, ist Ja Rule für das Fyre-Desaster nicht verklagt worden, MacFarland wiederum verbüßt gerade wegen Betrug, Geldwäsche und weiterer Vergehen eine sechsjährige Haftstrafe.

Kooperation

„Ich liebe es, wie Menschen eine Doku gucken und denken, sie hätten alle Antworten“ – mit diesem Tweet begann am Sonntag Ja Rules Twitter-Rant, in dessen Folge er unter anderem behauptete, Hulu hätte Billy MacFarland für dessen Aussagen in „Fyre Fraud“ bezahlt, und er hätte „Nachweise“, welche die wirkliche Wahrheit früher oder später ans Licht bringen würden. Um was für „Nachweise“ es sich dabei handelt, verriet er jedoch nicht.

Tatsächlich kritisieren sich momentan Netflix und Hulu gegenseitig für die Mitwirkung ehemaliger Fyre-Mitarbeiter und -Auftragnehmer. So ist unter anderem Elliot Tebele, der mit seinem Instagram-Account @fuckjerry (14,3 Millionen Abonnenten) das Meme-Game wie kein anderer beherrscht, als Executive Producer am Film bei Netflix beteiligt – und das, obwohl seine Content-Agentur Jerry Media die komplette Social-Media-Kampagne des Fyre-Festivals betreut hatte und somit großen Anteil am entstandenen Buzz um das Luxus-Open-Air hatte.

Grotesker Streit um ein Sandwich

Nun lebt eine Dokumentation wie „Fyre“ eben auch von Insidern, die auspacken. Sie sorgen für die Nähe, die den Zuschauer am Bildschirm halten soll, und – im besten Fall – auch Antworten liefern kann. Eine weitere Person, die eine solche Rolle in der Netflix-Dokumentation einnimmt, ist Maryanne Rolle. Die Restaurantbesitzerin, die für das leibliche Wohl der (Mit-)Arbeiter des Festivals sorgen sollte, wurde nach dem Wegbrechen des Caterings durch Sternekoch Stephen Starr mit der Verköstigung der Gäste beauftragt.

In der Dokumentation spricht sie darüber, wie kurzfristig, praktisch ohne Vorlaufzeit, tausende hungrige Mäuler ihr Restaurant füllten. Über 50.000 US-Dollar habe die Gastronomin verloren, da versprochene Zahlungen seitens der Organisatoren nie angekommen seien. Im Netz wurde Rolle schnell zur Symbolfigur für die Menschen, die für MacFarlands (und Ja Rules) Größenwahn wirklich bezahlen mussten.

Statt sich bei Rolle oder den hunderten unbezahlten lokalen Tagelöhnern zu entschuldigen, greift Ja Rule die Frage einer Twitter-Userin auf und stellt mit ihr die ganze Glaubwürdigkeit der Netflix-Doku zur Frage: War sie, Maryanne Rolle, für die Käsesandwiches zuständig?

Wir erinnern uns: Es war der Tweet Trevor DeHaas‘, der ein labberiges Käsesandwich und einen gemischten Beilagensalat zeigt, der den Betrug des Fyre Festivals endgültig weltweit publik machte.

Dieser Tweet wurde 2017 berühmt: Statt Nobelküche gab es Stulle.

Ja Rule impliziert also, durch die Stimme der Twitter-Nutzerin Martina Markota, dass Maryanne Rolle die karge Kost absichtlich an die Fyre-Besucher ausgehändigt habe, um die Festivalveranstalter endgültig scheitern zu sehen. Denn, so argumentiert Markota: Rolle hätte die hungernden Influencer und Upper-Class-Kids ja auch einfach von ihrem Grundstück schmeißen können. Schließlich habe sie, wie sie selbst betont, zuvor keinen Cent vom Fyre-Team für ihre Dienstleistungen erhalten.

Statt sich sein Scheitern einzugestehen, entscheidet sich Ja Rule also, anzuzweifeln, dass einige Käsesandwiches zu einem Verlust von 50.000 US-Dollar führen können. Dass dieser Aspekt in der Netflix-Doku überhaupt nicht beleuchtet wird, sieht er als klaren Beweis dafür, dass eine Hexenjagd gegen ihn, der an keiner der beiden Dokumentationen beteiligt sein wollte, im Gange sei.

Den angemessenen Abschluss erhält Ja Rules windschiefer Abwehrversuch, als er einem Twitter-User mit einer Handvoll Emojis zustimmt, dass das wahre Leben niemals so glamourös sei wie es die Instagram-Filterblase vermuten lasse. Dass es genau diese Instagram-Filterblase war, auf der die komplette, absurde Vision Ja Rules und seines Partners Billy MacFarland fußte – geschenkt.

Netflix

Der Trailer zur Doku über das legendär katastrophale „Fyre“-Festival ist da
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