Guano Apes: Quartett mit Brett


Es hat gedauert. Doch jetzt gibt's Neues von den Guano Apes: neben brettharten Gitarren auch Unerwartetes.

Eine deutsche Band? Wohl kaum. Eher schon eine Band aus Deutschland. Denn schließlich interessiert man sich nicht nur zwischen Füssen und Flensburg für die Guano Apes, sondern mindestens ebenso sehr in Belgien, Portugal oder Finnland. 700.000 Exemplare ihres ersten Albums („Proud Like A God“) gingen bisher über die Ladentische. Ein paar davon sogar im für europäische Bands nicht eben leicht zu knackenden Amerika. Eigentlich hätten Sängerin Sandra Nasic (23), Drummer Dennis Poschwatta (25), Gitarrist Henning Rümenapp (23) und Bassist Stefan Ude (25) also allen Grund, sich auf dem Erreichten erst mal auszuruhen. Wenn, ja wenn da nicht dieser Ehrgeiz wäre. Nicht, dass man im Hause Guano Apes nun automatisch davon ausginge, verkaufstechnisch mit dem ersten Album gleichzuziehen oder den phänomenalen Erfolg sogar noch toppen zu können. Nein, die Guano Apes treibt etwas anderes, etwas, was wohl nur Kreative verstehen können. Trommler Poschwatta:

„Wir haben uns als Band ja nicht zusammengetan, um reich und berühmt zu werden, sondern ganz einfach deshalb, weil uns die Musik Spaß macht.“ So einfach ist das also. Und doch auch so kompliziert. Was zum Beispiel, wenn einen Musiker die Muse partout nicht küssen möchte? Wenn einfach keine Einfälle da sind für Songs, die möglichst viele Menschen begeistern sollen. Ein Problem, dass den Guano Apes nicht eben unbekannt ist. Gitarrist Henning Rümenapp: „Es ist ja kein Geheimnis, dass wir für unser neues Album (erscheint voraussichtlich im Juni) mehr Zeit gebraucht haben als ursprünglich geplant. Aber nach den vielen Konzerten haben wir einfach kreativ nichts mehr auf die Reihe bekommen. Wir sind regelrecht in ein kreatives Loch gefallen.“ Problematische Situation das, wenn nicht nur die Fans auf was Neues warten, sondern zudem auch noch die Plattenfirma – man hat ja schließlich Verträge zu erfüllen. Trotzdem: Die Guano Apes ließen sich nicht unter Druck setzen, „auch wenn man manchmal in so eine Art Erklärungsnol gerät, wenn die Platlenfirma wissen will, warum sich bestimmte kreative Prozesse nicht beschleunigen lassen“, wie Gitarrist Henning Rümenapp freimütig zugibt. Doch jetzt, ja jetzt dürfen sich alle freuen. Denn nach einem kreativen Tief haben die Guano Apes nun wieder zu einem musikalischen Hoch zurückgefunden. Als Appetizer auf das bereits erwähnte Album erschien am 20. März erst mal eine EP mit fünf Tracks, darunter der einstige Alphaville-Gossenhauer „Big In Japan“ in einer absolut amtlichen Killerversion. Aber auch die anderen Tracks der EP (die übrigens zum Preis einer Maxi-Single abgegeben wird) haben’s in sich – und warten zudem mit der einen oder anderen musikalischen Überraschung auf, die man den Guano Apes so kaum zugetraut hätte. Gitarrist Henning, nicht ohne jenen Stolz, den man verspürt, wenn einem etwas wirklich Außergewöhnliches geglückt ist: „Wir wollten ein absolut amtliches Produkt rausbringen für den internationalen Markt.“ Alle Anzeichen deuten daraufhin, dass die Guano Apes ihren ambitionierten Plan in die Realität umgesetzt haben.