Hirnflimmern: KLÖWNS UND CÜRBISSE


Im Radio schreit eine Frau das Lied „Champs-Elysées“. Es ist Zaz. Was soll denn das, hat die kein Zuhause? Herrgott. Dann heißt es in einem Beitrag, dass es jetzt ja auch Elternabende an der Uni gibt. Aha. Was ich tun würde: den Elternabend einberufen. Warten, bis der Raum voll ist. Dann einen Clown hineinschicken, der sich vorn hinstellt, in einen Luftrüssel prustet und sagt: „Sie sind hier für einen Elternabend – an der Uni. Sie haben wohl einen Vogel! Gehen Sie jetzt nach Hause und schämen Sie sich.“

It’s what I would do. Wenn ich eine Uni wär’. Andererseits kannst du ja heute nirgends mehr einfach einen Clown hineinschicken, ohne dass gleich eine halberte Panik ausbricht. Viel ist geschrieben worden über das erodierte, ja: ins Gegenteil verkehrte Image des Clowns; schuld sind Johannes Mario Simmel, Stephen King und McDonald’s – oh, Verzeihung, man muss natürlich schreiben: „ein bekannter großer Hamburgerbräter“. Weil, wenn man „McDonald’s“ schreibt, ist es Werbung. Wenn man „Stephen King“ schreibt, nicht.

Apropos Clowns. Tommy Lee. Zum Namen Tommy Lee fallen uns Normalinteressierten ja spontan drei Assoziationen ein: 1. Jones. 2. Pamela Anderson. 3. Mötley Crüe; wobei wir da immer kurz überlegen müssen, wie man das noch mal genau schreibt und wo die metal umlauts hin müssen. Was mir zum Beispiel nicht ums Verrecken einfiele, wäre ein Refrain oder auch nur ein Songtitel von Mötley Crüe. Falls es Ihnen da ähnlich geht, liegt’s vielleicht mit daran, dass Mötley Crüe selbst zu ihrer „großen“ Zeit Ende der 80er/Anfang der 90er eine so betäubend sinnfreie Schrottband waren, dass man allein anhand ihrer Existenz erläutern könnte, warum Alternative Rock dann so erfolgreich und notwendig war.

Man kann sich das heute nicht mehr vorstellen. Man kann sich auch kaum vorstellen, dass Smashing Pumpkins mal eine ziemlich cutting edge Quasi-Indie-Band waren. Dann waren sie noch eine Zeitlang eine recht tolle Majorband. Dann ging’s langsam den Bach hinunter. Dann war aus. Dann gab es noch ein paar Zuckungen. Dann war wieder aus. Und jetzt gibt es von Billy Corgan, seiner Gniedelgitarre und seinem treuen alten Bandnamen bald ein neues Album, auf dem Tommy Lee Schlagzeug spielt! Und auf dem also zusammenwächst, was nie zusammengehörte, aber 20 Jahre später wohl eben … doch.

Genau wie Elternabend und Uni, wo wir uns 1993 die Harnblase leergelacht hätten drüber, aber heute – normal. Und der alte Hase Lee, der offenbar seinerzeit irgendwo neben Koks und Nutten auch immer die neuen Pümpkins-Werke zu schätzen wusste, fand auch gleich die richtigen Worte, gut abgehangen, 1001-mal gesprochen und daher eines solchen, äh, Spätwerkes allemal würdig: „I think he has probably the best record he’s ever written.“ Klar, normal sagt man das von sich selbst, „this is the best record we’ve ever done“, so beim 17. Album, und warum auch nicht? Was? Seufz.

Diese und weitere Kolumnen sind in der Januar-Ausgabe des Musikexpress erschienen – seit 11. Dezember am Kiosk und im App-Store erhältlich.

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