Holy Fuck live in Köln

von

Holy Fuck!Auch wenn dieser Ausruf im Zusammenhang mit der gleichnamigen LoFi-Rebellen seinen Reiz durch hemmungslose Abnutzung vielleicht schon längst verloren hat – es trifft es genau: Holy Fuck zur Umgebung des Gebäude 9 Köln, Austragungsort des Schaukampfs für Ohren und Trommelfell. Die alten Backsteinindustriegebäude trafen den Ton des Bevorstehenden.Der vollgeposterte Eingang und die seltsamen Gestalten, die sich als Publikum herausstellten, auch. Holy Fuck!Dann… das Tor öffnet sich: Einlass in den Konzertsaal. Die 1-Mann-Vorgruppe mit dem sphärischen House (untermalt mit einer Videoinstallation, die eine Nahaufnahme eines Auges zeigte) stellte den Anfang dar. Sozusagen die Ruhe vor dem Sturm, die die Crowd dankend und applaudierend annahm. Denn nun folgten die Kracher der heiß erwarteten Kanadier. Holy Fuck! Ein Applaus. Ein Grinsen ins Publikum. Los geht’s! Was nun geschah, könnte man am treffendsten als Soundorgie beschreiben. Brian Borscherdt und Graham Walsh erschufen nervenzerfetzende Geräusche mit noch seltsameren Methoden. Das Schlagzeug hämmerte wie ein Donner von Thor, der Bass umschlang das ganze und heraus kam die wilde Mischung wie auf „LP“. Nur live zerlegten die vier Herren die Lieder so, dass es noch eher an einen psychosomatisch entrückten Zustand erinnerte. Ein Rausch. Geformt durch Musik und das hypnotisierende Bühnenlicht. Begünstigt durch die geniale Akustik, die es erlaubte, alle Facetten und eingesteckten Geräusche zu erfahren.Durch Kopfschütteln und Headbangen konnte man sich in diesen Zustand weiter vertiefen. So war doch jeder im Publikum mit sich und der Musik beschäftigt und auch wildes Tanzen und Pogen war durch das durchweg hohe Durchschnittsalter der Zuschauer nicht angebracht. (Dieser Eindruck entstand vielleicht aber auch nur, weil ich das 16. Lebensjahr noch nicht beendet habe). Also kollektives Kopfnicken. Holy Fuck! Bei der Musik?! Alle Überlieder von „Super Inuit Royal Gregory Milkshake“ bis zu „The Pulse“ wurden zum besten gegeben. Ich wartete noch immer auf DEN Song. Dann plötzlich Verabschiedung. Die Bühne leer. Kollektive „Zugabe“-Rufe. Sie kamen wieder. Holy Fuck! Egosäue, die das Flehen und Betteln brauchen. Wieder ein Grinsen. Eine Dame in Blau bat die Leute auf die Bühne zum Abtanzen. Das schon angesprochene Alter oder die intellektuelle Dekadenz führten zu verhaltenem Echo. Mir egal! Ab auf die Bühne! Durchdrehen! Und dann kam er doch noch: SAFARI! Gelungener krönender und perfekter Abschluss eines wilden Konzerts, das zum größten Teil im Kopf ablief und dann doch noch seine ganze wilde Seite im hemmungslosen Pogen auf der Bühne fand. Holy Fuck! Das Publikum unten hüpfte zu dem Zeitpunkt schon sogar.

Tobias Hohn – 22.04.2008


Carolin Kebekus plant ein Festival, bei dem nur Frauen auftreten
Weiterlesen