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„Ja zum Nein!“, oder: Wer Miley Cyrus und Kanye West Abfuhren erteilt

Die letzten Wochen haben gezeigt: Öfter mal „Nein“ sagen kann nicht schaden. Und das gilt nicht nur in Bezug auf überflüssige Freundschaftsanfragen von Leuten die man schon früher nicht leiden konnte, schlechten Alkohol und dem neuesten Moderevival, das man in seiner Jugend schon einmal mitgemacht hat. Ein „Nein“ ist manchmal besser als ein „Ja“ – und meistens auch mutiger.

Das dachte sich wohl auch Jürgen Teller, seines Zeichens weltbekannter Mode- und gleichzeitig Hausfotograf von Marc Jacobs. Der wiederum wollte auch ein bisschen von Miley Cyrus haben, bevor sie wirklich keiner mehr sehen kann und verpflichtete sie als neues Gesicht für seine Frühjahr/Sommer-Kampagne 2014. Und obwohl Jürgen Teller schon einiges gesehen hat – wie etwa Victoria Beckham in überdimensionalen Einkaufstüten oder Marc Jacobs nackt auf Metallfolie – hörte der Spaß hier für ihn auf.

„Nein!“, hieß es da auf einmal zum Shoot mit Frau Cyrus. „Ich arbeite mit Jürgen seit Jahren zusammen und liebe ihn als Künstler. Er wollte Miley einfach nicht fotografieren“, so das Statement von Marc Jacobs. Tja, kann man nix machen. So wurde Miley Cyrus kurzerhand von David Sims abgelichtet und sieht jetzt aus wie ein abgestürzter Teenager in der Wüste, der seine Freundin umgelegt hat und dabei von einem Mann beobachtet wird. Das ist auf jeden Fall Geschmackssache und Teller hat dieses „Nein“ jedenfalls nicht geschadet.

Ein anderer Künstler, der in den letzten Wochen statt „Ja“ lieber hätte „Nein“ sagen sollen, war George Condo – spätestens als er Kanye West am Telefon hatte und dieser ihn darum bat ein Geschenk für seine Verlobte Kim Kardashian, sagen wir, zu verschönern. Genau dann hätte Condo antworten sollen: „Nein Yeezy, wir wissen doch alle, dass deine Ideen manchmal eine Spur zu weit gehen, lass mal.“

Da der Künstler aber bereits Wests Albumcover zu MY BEAUTIFUL DARK TWISTED FANTASY entwarf, konnte er seinem guten alten Bekannten Kanye den Wunsch natürlich nicht abschlagen. Und was ist dabei rausgekommen? Die mit Abstand hässlichste, gleichzeitig aber auch sehr teure Birkin Bag die man sich vorstellen kann, auf der sich nackte Frauen mit teilweise grotesken Gesichtern vergnügen. Für welche Seite (Hermes oder Condo) das jetzt von Vorteil gewesen sein soll, weiß man nicht. Das Feedback von Kim Kardashian aber war natürlich ganz toll und das Urteil der Presse überwiegend einheitlich („hässlich“). Dennoch überschlugen sich die Medien förmlich. Ob dieses Motiv Condo nun bekannter, unbeliebter oder einfach nur teurer werden lässt, kann man nur spekulieren. Klar ist in diesem Fall aber einmal mehr: Ein „Nein“ wäre besser gewesen.

Jan Schmechtig bloggt unter Horstson.de über Männermode und Musik – und in loser Regelmäßigkeit auf musikexpress.de.


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