Kasabians Sergio Pizzorno im Interview: „Ein Image kann man nicht kaufen!“

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Sergio Pizzorno und Keenan Kampa sind die neuen Gesichter für die G-Star RAW-Kampagne H/W 2013.

Ausgefallene Outfits im Stil der späten Sechziger und die Keith-Richards-Gedächtnis-Frisur – beides macht Sergio Pizzorno unverwechselbar. Bald arbeitet er am fünften Album von Kasabian, jetzt ist er in der neuen G-Star-Kampagne neben Ballerina Keenan Kampa zu sehen.

Musikexpress: Wie kommt es, dass ein Rockmusiker mit einem Modelabel zusammenarbeitet?

Sergio Pizzorno: Ein Freund von mir fing vor Kurzem an da zu arbeiten und hat mich gefragt, ob ich Lust hätte, etwas mit G-Star zu machen. Das Label hatte bereits interessante Kooperationen mit Dennis Hopper und Michael Madsen. Außerdem dachte ich, es ist eine gute Möglichkeit, meinen beiden Söhnen später zu beweisen, dass ich einmal cool aussah. (lacht)

Hast du vorher bereits Jeans der Marke getragen?

Sergio Pizzorno: Mit 20 habe ich in einem Klamottenladen gearbeitet und dort G-Star verkauft, als das Label gerade frisch in UK angekommen war. Ich lief also schon sehr früh in diesen Jeans herum.

Wie sollte die perfekte Jeans aussehen?

Sergio Pizzorno: Jeans sollten schwarz und gut geschnitten sein. Das perfekte Paar habe ich noch nicht  gefunden, aber ich besitze einige, die dem Ganzen nahe kommen. Wenn ich ehrlich bin, kaufe ich Jeans auch meistens in der Frauenabteilung, beispielsweise bei Topshop. Die sitzen einfach besser als Herren-Jeans.

Wann haben Mode und Stil das erste Mal in Deinem Leben eine Rolle gespielt?

Sergio Pizzorno: Als ich ungefähr fünf Jahre alt war, sollte ich beim Krippenspiel mitmachen. Nicht als Josef oder Jesus, sondern in der Rolle des Erzählers. Als die anderen Kinder bei der Aufführung auf die Bühne gingen, bin ich ohne Kostüm rauf. Meine Mutter fragte meine Lehrerin, warum ich als Einziger kein Kostüm trage, und sie antwortete, dass ich mich strikt geweigert hätte. Ich wusste also schon im Alter von fünf sehr genau, wie ich aussehen – oder besser – nicht aussehen mochte.

Hast Du heute eigentlich Hilfe bei der Auswahl Deiner Bühnen-Outfits?

Sergio Pizzorno: Nicht wirklich, aber ein befreundeter Designer ist immer mal da und geht uns ein wenig zur Hand.

Unterscheiden sich die Sachen, die Du auf der Bühne trägst, und Deine Alltagskleidung stark voneinander?

Sergio Pizzorno: Eigentlich nicht, höchstens dass die Schuhe, die ich auf der Bühne trage, im Alltag etwas unbequem sind.

Inwieweit tragen Deine Bühnenoutfits zum Rockstar-Image bei?

Sergio Pizzorno: Auf eine bestimmte Art und Weise sind sie Teil des Images. Trotzdem kann man sich natürlich nicht einfach irgendwelche Sachen überwerfen und denken, man wäre jetzt ein Rock-’n’-Roll- Star. Es gehört mehr dazu: ein gewisses Funkeln in den Augen, das nicht jeder hat. Ein Image kann man nicht kaufen.

Welcher Künstler hat dieses Funkeln?

Sergio Pizzorno: Jack Nicholson. Er zieht sich nicht an wie ein Rockstar, aber er ist einer. Er hat einfach das gewisse Etwas, diese Art von Magie. Er be­tritt einen Raum und die Zeit bleibt stehen.

Hast du Stil-Ikonen? Musiker, die Dich inspirieren?

Sergio Pizzorno: David Bowie und Keith Richards. Keith sieht immer toll aus, der weiß einfach, was ihm steht. Er beweist, dass einen guten Stil zu haben nicht unbedingt bedeuten muss, andere nachzumachen oder Trends zu folgen. Man muss wissen, was gut an einem selbst aussieht. Schau dir Hunter S. Thompson an. Der hat absolut lächerliche Klamotten getragen – Shorts und Tennissocken in Turnschuhen. Trotzdem hat er verdammt gut darin ausgesehen.

In Bezug auf Mode: In welchem Jahrzehnt hättest Du gern gelebt und warum?

Sergio Pizzorno: Um genau zu sein zwischen 1967 und 1972. Ich denke da an Filmaufnahmen zu „Rock & Roll Circus“, als die Stones zusammen mit The Who, Jethro Tull und anderen in einem Zirkuszelt auftraten. Die sahen einfach unglaublich aus.

Wir haben jetzt viel über Männermode geredet. Welchen Look magst Du an Frauen und welchen gar nicht?

Sergio Pizzorno: Was ich nicht mag, ist der Red Carpet Look, wenn Frauen aussehen, als hätten sie sich fünf Stunden lang zurechtgemacht und übertrieben auffällige Abendkleider tragen. Es sollte unangestrengt aussehen. Natürlich machen sie sich Gedanken über ihr Aussehen, aber es muss einfach cool wirken und nicht übertrieben glamourös. Ich mag zum Beispiel den Stil von Alison Mosshart, außerdem ist sie wirklich nett.

Welches Kleidungsstück hast Du Dir zuletzt gekauft?

Sergio Pizzorno: Etwas von Kokon To Zai. Ich drehe durch, wenn ich zu KTZ gehe und könnte den ganzen Laden aufkaufen. Ich habe mir da vor Kurzem eine schwarze Jacke im 80er-Jahre-Bikerstil mit Aufnähern gekauft.

Hast Du jemals über ein eigenes Label nachgedacht?

Sergio Pizzorno: Ich möchte kein ganzes Label, aber ein paar auffällige Teile zu entwerfen wäre cool. Vielleicht eines Tages.

Denken wir an Punk, Mod oder Manchester Rave, so gab es in der Geschichte der britischen Musikszene oft einen „optischen Code“. Wie sieht der heute aus?

Sergio Pizzorno: Das ist schwierig. Heute haben wir eine Verschmelzung von allen Subkulturen der Vergangenheit, unsere Kultur wird nicht mehr wie früher von einer bestimmten Sache dominiert. In der Zeit von Punk oder Mod gab es vielleicht drei Fernsehsender. Alle schauten das Gleiche, und alle kopierten, was sie sahen, und hatten deshalb einen ähnlichen Look. Heute bietet das Internet unendliche Informationsmöglichkeiten über Musik und Stars und man kann sich von jedem etwas herauspicken. Eine Bewegung mit einem typischen Style-Code kann so nicht entstehen.

Mit welchem Musiker würdest Du gerne mal Klamotten tauschen?

Sergio Pizzorno: Mit Snoop Dogg! (lacht) Ich glaube, ich könnte damit ungestraft davonkommen.

Habt Ihr schon mit den Aufnahmen zum neuen Kasabian-Album angefangen?

Sergio Pizzorno: Wir werden in den nächsten Monaten damit anfangen, zu hören gibt es aber nichts vor 2014.

In welche Richtung wird es gehen?

Sergio Pizzorno: Es wird wohl sehr psychedelisch klingen.

Und was hörst Du gerade privat?

Sergio Pizzorno: Madlib und die Band Beak. Die sind momentan wirklich die beste britische Band.



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