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„Kevin – Allein zu Haus“: Was wurde eigentlich aus Macaulay Culkin? Wir haben ihn in Paris besucht

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Bei seinen Shootings sei es von großem Vorteil, wenn die Abgelichteten bereits angetrunken seien, je mehr, desto besser, es solle was passieren vor der Kamera, sagt Peter Kaaden, unser Fotograf, und bestellt sich das zweite große Bier. Es ist kurz nach 13 Uhr. Mais oui! Dieser Mann verfolgt einen Plan, das merkt man sofort. Warum auch nicht? Immerhin steht gleich ein Interview mit Adam Green und Macaulay Culkin an, noch aber sitzen wir in einer kleinen Bar nahe der Place de la République in Paris und warten darauf, die beiden Künstler rausklingeln zu dürfen.

Stattfinden soll das Gespräch in der Privatwohnung von Macaulay, der vor einiger Zeit hierhergezogen ist. Somit droht auch kein defi­nierter 30-Minuten-Reporter-Speeddating-Slot innerhalb eines ermüdenden Interviewtags. Nein, heute wird’s intim. Und nach dem zweiten Bier geht’s los. Macaulays Wohnung erstreckt sich über zwei Stockwerke. Sie war einmal eine Airbnb-Unterkunft, die er gemietet hatte. Da sie ihm so gut gefiel, hat er sie einfach komplett übernommen. Entsprechend schauen die Möbel noch etwas „neutral“ aus. Die große Wohnung befindet sich dabei in zentraler Lage, Macaulay kann es sich leisten, hat allen Gerüchten um seine finanzielle und persönliche Verfasstheit zum Trotz ausgesorgt, später im Gespräch wird er sich selbst sogar als „35-jährigen Rentner“ beschreiben.

Da er nichts mehr verkaufen muss, gibt er gemeinhin auch keine Interviews. Das demnächst erscheinende Album seiner Band The Pizza Underground stellt er kostenlos im Netz zur Verfügung, obwohl es aufwendig mit einem Orchester eingespielt wurde. Moment, The Pizza Underground? Das ist Macaulays Projekt, das hauptsächlich Velvet-Underground-Stücke nachspielt, wobei Teile der Lyrics gegen das Wort „Pizza“ ausgetauscht werden. Lou Reeds „Perfect Day“ klingt dann so: „It’s a pizza day, oh, such a pizza day. I just keep the oven on.“ Kein Scheiß. Oder natürlich doch.

Und dann hat Macaulay eben gerade seinen Freund Adam Green bei dessen Film unterstützt. „Aladdin“, der erste „echte“ Film des Moldy-Peaches-Mitbegründers. Der ewige Kevin fand sich bereits bei Greens Debüt­werk im Cast, jenem auf einem iPhone gedrehten Ketamin-Masterpiece „The Wrong Ferarri“, gegen dessen schräge Narration „2001: Odyssee im Weltraum“ wie eine „Lindenstraße“-Folge wirkt. „Aladdin“ untermauert Adam Greens Anspruch, auch einen kohärenten Film aufstellen zu können – wofür er einiges in den Ring wirft und nicht nur für Regie und Drehbuch Sorge trug, sondern auch die Kulisse des Pappmaschee-Sets selbst malte und dem Film ein neues Musik­album, ebenfalls ALADDIN betitelt, zur Seite stellt. Da wollte sich Buddy Macaulay nicht bitten lassen und willigte einem gemeinsamen Gespräch mit Adam und dem ME ein.


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Kann losgehen. Adam hat extra fürs Foto­shooting ein Banner im Stil der Filmkulissen bemalt, und auch Macaulay zeigt sich auf das Date vorbereitet: Fünf Flaschen Champagner hat er besorgt! Man sieht das Glitzern in den Augen unseres Fotografen. Ausgezeichnet!

Macaulay Culkin, 26 Jahre nach "Kevin – Allein zu Haus" in seiner Pariser Wohnung
Macaulay Culkin, 26 Jahre nach “Kevin – Allein zu Haus” in seiner Pariser Wohnung

Du lebst mittlerweile in Paris, Macaulay. Wirst du auch hier immer noch erkannt, oder hat sich die Hysterie um deine Person gelegt?
Macaulay Culkin:
Es wandelt sich. Letztens hat sich dazu eine schöne Geschichte ergeben: Ich sitze hier um die Ecke in einem Café und will ins Internet. Üblicherweise bekommt man in Paris dann so eine kleine Karte, auf der ein ­Wi­-Fi-Code draufsteht. Die Kellnerin gibt mir ein ziemlich abgegrabbeltes Stück Pappe, der per Hand draufgeschriebene Code lautet ­„Macaulay Culkin“, und das Bild daneben zeigt mich, also als „Kevin – Allein zu Haus“. Die Kellnerin hat aber offensichtlich keine Ahnung, wer ich bin, ich deute auf das Foto und sage: „C’est moi.“ Sie erschrickt total und haut wortlos ab, ein paar Minuten später kommt sie mit dem Besitzer des Cafés zurück an meinen Tisch, der ist sichtlich nervös: „Wollen Sie mich verklagen?!“ Ich versuche ihn zu beruhigen: „Selbst wenn ich wollte, könnte ich es nicht, ich habe gar keine Rechte an solchen Bildern – ­außerdem, warum sollte ich das wollen?“ Der Besitzer entspannt sich und erklärt, dass er für den Code eben einfach das Erste nahm, was ihm in den Sinn kam. „Ich bin das Erste, was Ihnen einfällt?“, frage ich, und er zuckt mit den Schultern. So ist es wohl. Ich habe die Karte dann noch umgedreht, und dort stand: „Viel Spaß mit unserem Wi-Fi! Bitte benutzen Sie es nur nicht, um Pornos zu schauen!“ Darauf haben sich unsere Blicke getroffen, keiner sagte was, dann meinte er endlich: „Okay, Sie sind der einzige Mensch, für den das nicht gilt!“
So menschenscheu scheinst du also gar nicht zu sein, wenn man das hört. Dennoch gibst du schon seit Jahren keine Interviews mehr, richtig?
Macaulay: Absolut! Was eine verdammte Ehre, nicht wahr? (lacht) Ich hoffe, ich rede nicht so viel Blödsinn. Aber eine Bedingung habe ich… Keine Sorge, nichts mit Porn … Aber ich möchte dir und dem Fotografen auch immer Fragen stellen. Ich habe ein ganzes Notizbuch voll davon.
macaulay_culkin_adam_green_peter_kaaden_3Okay. Aber erst mal eine an euch: Wie geht eure Kennenlerngeschichte?
Adam Green: Die musst du erzählen!
Macaulay: Also wir waren auf einem Konzert von Albert Hammond – Drew Barrymore, Seth Green und ich. Irgendwann stiegen wir in einen Aufzug, und Adam mogelte sich gerade noch rein, bevor sich die Türen schlossen. Kurz ­darauf stiegen zwei Mädchen zu, und sie sind ausgeflippt, die eine wurde fast ohnmächtig! Wegen Adam!
Adam: Mir war das ein wenig peinlich, denn ich war ja die am wenigsten berühmte Person hier, doch die beiden sahen das anders.
Macaulay: Als wir dann endlich angekommen waren, stiegen wir aus, Adam drehte sich noch mal zu uns um und sagte ganz locker: „Ich bin übrigens Adam Green.“ Unfassbarer Moment!
Die Moldy Peaches waren dir damals aber schon ein Begriff, oder?
Macaulay: Natürlich kannte ich sie, they sucked! Nein, Quatsch, ich war ein großer Fan.
Adam: Mac hatte ich schon vorher bei etlichen Moldy-Peaches-Shows gesehen, in der frühen Zeit, als wir mit den Strokes unterwegs waren. Als wir uns dann kennenlernten, war ich überrascht, wie gut er sich auskannte. Dass er allerdings ein cooler Typ sein würde, war mir spätestens seit dem Film „Party Monster“ (von 2003 – Anm. d. Red.) klar.

Foto: Peter Kaaden / Musikexpress
Foto: Peter Kaaden / Musikexpress
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