Königreich der Geeks

Die Definition lässt Interpretationsspielraum: „Geek -> [gi_k] (engl. umgangssprachlich für Streber) bezeichnet heute allgemein eine Person, die sich durch großes Interesse an wissenschaftlichen oder fiktionalen Themen auszeichnet, die üblicherweise elektronischer oder fantastischer Natur sind.“ Diese sechs Regisseure sind nicht trotz sondern gerade wegen ihrer Liebe zu Themen, die bis vor kurzem noch nicht breitenwirksam waren (Comics, Horror, Superhelden, Raumschiffe) ins Blockbustergeschäft aufgestiegen.

J.J. Abrams

J.J. Abrams
J.J. Abrams

Was macht ihn zum Geek?

Mit einem für Hollywood eigentlich sehr herkömmlichem Karriereweg wirkt Abrams auf den ersten Blick nicht wie der typische Geek: Nach ersten Berührungen mit dem Filmgeschäft schreibt er Drehbücher. Mit dabei die Belushi-Komödie „Filofax“ und das Mike-Nichols-Drama „In Sachen Henry“. Mit Monstern, Superhelden und Raumschiffen hat Abrams noch wenig am Hut, glänzt aber bereits als Filmkenner und eingeschworener Fan.

Der Durchbruch

Die Agentenserie „Alias“ (2001-2006) legte mit frischem Erzählformat den Grundstein der kommenden TV-Revolution, Mystery-Megaerfolg „Lost“ (2004-2010) vollendete sie: Die Mischung aus weit übergreifendem Handlungsbogen, Serien-Schnitzeljagd für die Fans vor den Fernsehschirmen und vertracktem Plot machten Abrams und Co-Schöpfer Damon Lindeloff zur begehrten Produzenten-Autoren-Kombo.

Die geheime Fähigkeit?

Der unumstrittene Meister des Hypes: Ob der von ihm produzierte „Cloverfield“, seine Spielberg-Hommage „Super 8“ oder der „Star Trek“-Reboot – Abrams entfacht Fan-Hysterie wie kaum ein anderer Kollege.

Der große Blockbuster?

Nach „Mission Impossible III“ geht es Schlag auf Schlag: Regie bei zwei „Star Trek“-Filmen und Produzent der nächsten „Mission Impossible“-Teile.

Gareth Edwards

Gareth Edwards
Gareth Edwards

Was macht ihn zum Geek?

Seine Inspiration: Jeder Regisseur, der behauptet, ihn hätte „Star Wars“ dazu angehalten, sich mit Film zu beschäftigen, ist von Beginn an hoffnungslos verloren. Nach seiner Arbeit als Designer für digitale Spezialeffekte nahm er seinen ersten Kinofilm in Angriff, der ihm die Türen nach Hollywood öffnete.

Der Durchbruch?

Der ungewöhnliche Science-Fiction-trifft-Road-Movie-Bastard „Monster“. Mit geringem Budget und atmosphärischem Effekteinsatz, eine Visitenkarte die Edwards mit „Godzilla“ gleich das nächste Monster-Projekt bescherte. Mit dem für nächstes Jahr angekündigten „Star Wars“-Spin-Off „Rogue One“ wird dann auch der Kindheitstraum erfüllt.

Die geheime Fähigkeit?

Sein gekonnter Umgang mit Spezialeffekten: Statt in Michael-Bay-Manier mit CGI-Bildern zu erschlagen, setzt Gareth Edwards gerne auf realistischere und glaubhaftere Bilder – selbst bei „Godzilla“ setzte er in der ersten Hälfte auf vergleichsweise große Zurückhaltung und ließ daher die Riesenechse erst im letzten Drittel des Filmes so richtig von der Leine.

Der große Blockbuster?

„Godzilla“ war zwar schon eine Hausnummer, der für Winter 2016 angekündigte „Star Wars“-Film wird aber fraglos selbst die Zerstörungsorgie des japanischen Monsters in den Schatten stellen.

James Gunn

James Gunn
James Gunn

Was macht ihn zum Geek?

Seine Wurzeln: Wer bereits mit 12 Jahren Zombiefilme dreht und anschließend für die berühmte Gore- und Trash-Filmschmiede Troma tätig ist, hat sich die Bezeichnung redlich verdient. Mit seinen vor offensichtlicher Leidenschaft für das Thema strotzenden Superheldenkomödien „The Specials“ und „Super“ empfahl er sich für Marvel.

Der Durchbruch?

Der in den Augen vieler Fans wohl bisher beste Marvel-Film „Guardians Of The Galaxy“ – Ein bisschen Achtziger-Nostalgie, Raumschiffe, Laserwaffen, bonbonbunte Aliens und jede Menge Humor ließen nicht nur den eingeschworenen Comic-Fan jubilieren. Auch für den zweiten Teil soll Gunn mit an Bord sein, die Reise in neue Marvel-Galaxien geht somit weiter.

Die geheime Fähigkeit?

Sein augenzwinkernder Humor: Egal ob die oft bitterbösen Gags in „Super“, die herrlich bizarre Webserie „James Gunn’s PG Porn“ oder die Leichtigkeit mit der sich Marvels Galaxiewächter daran machten, fremde Welten zu retten – die Mischung aus Dialogwitz und skurrilen Ideen passt perfekt.

Der große Blockbuster?

Die Episodenkomödie „Movie 43“. Nein, natürlich nur ein Gag: Der Erfolg von „Guardians Of The Galaxy“ kann wahrscheinlich nur von „Guardians Of The Galaxy Vol.2“ übertroffen werden.

Guillermo del Toro

Guillermo del Toro
Guillermo del Toro

Was macht ihn zum Geek?

Sein spezieller Filmgeschmack: Nachdem er bereits als Kind mit Super-8-Kamera ausgerüstet „Planet der Affen“-Filme nachdrehte oder Killerkartoffeln auf die Menschheit losließ, arbeitete er bei Spezialeffektlegende Dick Smith. Mit seiner eigenen Firma Necropia bastelte er bereits an den Effekten für sein späteres Filmdebüt.

Der Durchbruch?

Bereits mit seinem ersten Langfilm, dem mexikanischen Vampirhorror „Cronos“ gewann del Toro bei der „Semaine de la Critique“ in Cannes. Die Eins-Zwei-Kombo aus „Hellboy“ und „Pan’s Labyrinth“ zeigte die Vielseitigkeit: flottes Popcornkino einerseits, kluge Fantasy-Unterhaltung andererseits.

Die geheime Fähigkeit?

Sein umfassendes Wissen über Fantasy und Horror: Ob als Produzent und Förderer junger Talente beim Gruseler „Das Waisenhaus“, dem Remake von „Don’t Be Afraid Of The Dark“ oder als Autor der Vampirsaga „The Strain“ – Del Toro kennt das Vokublar des Schreckens bestens.

Der große Blockbuster?

Tja, gute Frage. Zwischen den jeweiligen Qualitäten von „Hellboy II“ und „Pacific Rim“ scheiden sich die Geister, auch wenn letzterer fraglos der weltweit erfolgreichere Film war.

Josh Trank

Josh Trank
Josh Trank

Was macht ihn zum Geek?

Eine gute Frage: Trank, mit bürgerlichem Namen eigentlich Joushua Snooper Wilding, landete mit seinem Debüt „Chronicle“, das irgendwo zwischen „Blair Witch Project“- Wackelkamera und „X-Men“-Superhelden- Teenies lag, einen absoluten Volltreffer. Mit 27 Jahren als einer der jüngster Kinochart-Gipfelstürmer aller Zeiten offenbar zu Großem berufen. Oder?

Der Durchbruch?

Hätte der Reboot zu „Fantastic Four“ werden sollen. Wer „Fantastic Four“ gesehen hat, weiß wieso hier die Formulierung „hätte werden sollen“ gebraucht wird. Womit „Chronicle“ wohl auch weiterhin Debüt und Durchbruch des Regie-Youngsters bleibt.

Die geheime Fähigkeit?

Das eigentlich für Geeks ganz untypische Gefühl für den Zeitgeist: „Chronicle“ traf mit Thema und Stil den Nerv der jungen Zielgruppe. Nach dem etwas mauen Big-Budget-Versuch ist aber erst mal fraglich, wie Tranks nächstes Projekt aussehen wird.

Der große Blockbuster?

Ist und bleibt wohl auf absehbare Zeit „Chronicle“.

Joss Whedon

Joss Whedon
Joss Whedon

Was macht ihn zum Geek?

Die unbändige Liebe zum Film, gepaart mit den Einflüssen des Elternhauses: Der Großvater Drehbuchautor, beide Eltern Laientheaterdarsteller, zwei seiner Brüder sind Autoren. Ab Ende der Neunziger sammelte Whedon erste Erfahrungen als Skriptdoktor für Filme wie „Waterworld“, „X-Men“ und „Speed“, bevor er sich an seine erste eigene Idee machte.

Der Durchbruch?

Ohne Frage „Buffy The Vampire Slayer“: Einmal wenig erfolgreich als Spielfilm, mit dem Whedon unglücklich war, fünf Jahre danach als TV-Serie, die High-School-Komödie, Martial-Arts-Feminismus und Horror-Versatzstücke zum Quotenhit vermengte. Der loyalste Teil der Whedon-Fanschaft rekrutiert sich immer noch aus dieser Ära.

Die geheime Fähigkeit?

Die eingeschworenen Whedon-Fans: Egal ob er Comics schreibt, seine Serie „Firefly“ zum Kultphänomen wird oder mit Neal Patrick Harris die Horror-Musical-Webserie „Dr. Horrible’s Sing-Along Blog“ startet – seine Anhänger sind bereits zur Stelle.

Der große Blockbuster?

Da gibt es wohl nur eine Antwort: „The Avengers“. Das Gipfeltreffen der Superhelden wurde speziell von den Comic-Kennern mit Argwohn erwartet, Whedon hatte nach 30 Minuten selbst die nerdigsten Zweifler überzeugt.

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