Lesung

7 Wahrheiten, die uns Linus Volkmann über die Popbranche gelehrt hat


Unsere Edelfeder Linus Volkmann liest sich mit seinem Bühnenprogramm „Die Beatles sind Idioten – Radiohead auch“ gerade durch Deutschlands kleinste Locations. Ist lustiger, als Ihr denkt!

Linus Volkmann ist das Enfant Terrible des deutschen Musikjournalismus. So sieht er sich vermutlich gerne selbst, so kann man ihn durchaus betrachten: Ein Grund, warum er einst bei der INTRO (RIP) seinen Chefredakteursposten an den Nagel hing, sei die ständige Abhängigkeit der Presse von den Labels (und umgekehrt) gewesen. Jetzt, als Freiberufler, kokettiert er damit, erst ein einziges Geschäftstreffen absolviert zu haben. Und huch: Dies brachte ihm einen Haufen Lesetermine ein, obwohl er doch gerade gar kein Buch draußen oder in der Pipeline hat!

Am Dienstag stellte Volkmann sein Bühnenprogramm „Die Beatles sind Idioten, Radiohead auch“ in Berlin vor. Ein Titel, der bloß dafür gewählt wurde, möglichst viele Menschen zu provozieren und zu seiner Show zu locken, sagt er, die Bands selbst werden in den ersten zwei Minuten abgehandelt. In Berlin ging der Plan auf: Immerhin 100 Leute kamen in die ausverkaufte Fahimi Bar am Kottbusser Tor in Kreuzberg, um die „Pop-Sphinx“, wie der dauerironische Volkmann sich einst selbst nannte, einmal live statt auf Instagram zu begutachten. Wir waren auch da und werden natürlich nichts Schlechtes sagen. Schließlich schreibt Linus auch für unser Heft und unsere Webseite. Aber gelernt haben wir was von ihm!

 7 Wahrheiten, die uns Linus Volkmann über die Popbranche, ihre Protagonisten und sich selbst gelehrt hat

Campino sieht aus wie ein Penis

Das schöne auf Lesungen sei ja, dass man dort noch im Internet gefundene Bilder zeigen könne, ohne gleich urheberrechtlich verklagt zu werden. Nachdem er dies sagte, zeigte Linus ein Bild von Campino im folgenden Outfit und kommentierte dies mit den Worten: „Campino sieht aus wie ein Penis“. Im weiteren Verlauf der Lesung sollte Linus‘ Hassliebe für Die Toten Hosen noch öfter zutage treten.

https://twitter.com/derLehnsherr/status/981600570204094465

Torsun Burkhardt ist kein Partytier

Der Band Egotronic eilt ein Ruf voraus. Einer, in dem es um Partys, Anarchie und Exzess geht. Umso enttäuschter war Linus Volkmann, als ihn irgendwer irgendwann mal mit Egotronic-Kopf Torsun Burkhardt auf Tour schickte und der auf den Zugfahrten zwischen den Terminen ständig schlief. Linus bewies das mit Fotos, Burkhardt bewies Humor: Als Gast las er am Abend den Text vor, den Linus einst über Egotronic unter der Überschrift „Welche Bands Punk kaputt gemacht haben“ schrieb.

Kollegah legte sich schon früher gerne mit Kritikern an

Bei seinem ehemaligen Arbeitgeber INTRO schmiss Linus mal eine Videokolumne namens „Kurzer Prozess“. In einer Folge widmete er sich Kollegahs Album KING. Der Kritisierte und seine Fans fanden das natürlich gar nicht lustig…

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… und Volkmann musste sich entschuldigen (lassen):

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Eine Band wie Lustfinger würde es heute unmöglich mehr geben können – aber oh, es gibt sie noch immer!

Funpunk wurde Anfang der Neunziger von der Industrie mal als das nächste große Ding ausgerufen, erinnert sich Linus. Eine fahrlässige Fehleinschätzung, die Sampler namens „Festival der Volxmusik“ und eine Münchner „Punkrock“-Band namens Lustfinger hervorbrachte. Die gab es schon seit 1981, ihre Mitglieder sahen aus wie eine Mischung aus den Toten Hosen, Die Ärzte, Pur und Toto. Der Text ihres „Hits“ „Bitte lieber Staatsanwalt“ würde heutzutage, nach #Aufschrei und #MeToo, wohl sogar unter Deutschrappern nicht mehr durchgehen. Hier ein Auszug:

„Sie war 15, leider noch zu jung / Das erste Mal wo ich sie sah, träumte ich die ganze Nacht von ihrem heißen Körper und ihrer Unschuld / Sag mir war es wirklich war, dass sie noch ne Jungfrau war? Ich hatte ein Verlangen, ich wollte mit ihr gehn / Ihre heiße Knospe, die war so wunderschön / Es juckte meine Hose, sie schwoll ganz langsam an / Oh bitte, bitte lass mich an ihre Möpse ran / Bitte lieber Staatsanwalt, du bist doch auch ein Mann / Pack die Paragraphen ein und lass mich endlich ran.“

https://www.youtube.com/watch?v=jPsZs7HpcTA

Linus nahm diese Zeilen einst zum Anlass, um Lustfinger als „schlimmer als …“ zu beschreiben – ahnungslos, dass es diese Kapelle noch immer gibt. Prompt bekam er Mails von einem Bandmitglied, die er auf der Lesung vorlas, aber nicht veröffentlichte, und einigte sich mit ihm außergerichtlich auf die folgende Änderung: „Der schon oft beanstandete Song hier von Lustfinger ist zumindest schlimmer als die Vogelgrippe!“

Linus Volkmann hängt mit Jens Friebe, Margarete Stokowski und Rihanna ab

Torsun Burkhardt war nicht der einzige Gast in der Fahimi Bar: Auch Autorin und Spiegel-Online-Kolumnistin Margarete Stokowski gab sich und Linus Volkmann die Ehre. In einer tragikomischen Fanfiktion lieh sie Superstar Rihanna ihre Stimme und las die Sätze vor, die Volkmann ihr in den Mund legte. Er hat Rihanna schließlich mal getroffen – im Wachsfigurenkabinett – und dieses Erlebnis bis dahin weitergesponnen, dass er mal als Toyboy in ihrer Villa lebte.

Woher Volkmann aber Stokowski kennt? Durch seinen Kumpel Jens Friebe. Sie hätten eines Nachts bei ihm gemeinsam abgehangen und Stokowski rief an oder schrieb eine SMS. Friebe wollte ihr den Anblick des kaputten Volkmann ersparen, der wollte aber, dass ihm jemand Cola bringt. So oder so ähnlich war es, je nachdem, wer von ihnen sich an die Begegnung erinnert.

Frida Gold sind sich für nichts zu schade

Die Geschichte von Frida Gold ist einer der besonders traurigen in der Geschichte des deutschen Industriepops: 2015 hatte ihr Label die Idee, die Band ein englischsprachiges Album aufnehmen zu lassen. Nachdem die Vorabsingle „Run, Run, Run“ grandios floppte, wurde die Albumankündigung zurückgezogen und doch wieder auf deutsch gesungen – und sehr nackt: Im Video zu „Langsam“ räkelt sich Sängerin Alina Süggeler mit nichts als einem Handtuchturban (trotz kahlgeschorenem Kopf, hier 10 weitere Fehler im Video) in ihrem Bett, lässt scheinbar echte Gefühle (Tränen, Gänsehaut) in Close-Ups vermarkten und findet sich schließlich in einem Werbeclip für eine Automarke wieder.

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Linus Volkmann vergleicht Jörg Pilawa mit Adolf Hitler – wegen Julia Engelmann

Eine weitere Erkenntnis des Abends: Linus Volkmann mag Hitler-Vergleiche. Dies brachte aber die vielleicht lustigste von vielen Anekdoten hervor, die lustiger als alles waren, was Volkmann in seiner Videokolumne für „Cosmo“ so abliest.

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Für eine weitere Folge „Kurzer Prozess“ besprach Linus Volkmann das Hörbuch „Eines Tages, Baby“ der Poetryslammerin Julia Engelmann, die er beim ECHO 2018 erstmals live erlebte. Ihre Poesie soll Jörg Pilawa mal Tränen in die Augen getrieben haben, vor Freude und Berührung, versteht sich. Volkmann: „Das ist ungefähr so, als ob Adolf Hitler einen Kunststudenten für seine Bilder lobt.“

Ihr wollt diese und weitere Anekdoten live hören? Auf nach Wuppertal: Am 20. Juni findet dort der vorerst letzte Termin von Volkmanns „Die Beatles sind Idioten – Radiohead auch“-Lesereise statt.