ME-Helden: Aphex Twin

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Unser ME-Held der aktuellen Ausgabe: Aphex Twin. Mitte der Neunziger in England. Techno, die Utopie der anonymen Musik, braucht ihren ersten Star. Es wird Richard David James. Der unwahrscheinlichste Posterboy der Szene ändert die Regeln – und alle spielen mit.

Richard D. James, berühmt als Aphex Twin, durchwühlt daheim die Schubladen. Er sucht nach einem Tape. Nach irgendeinem, nichts könnte ihm gleichgültiger sein. Dem Boten, der an seiner Haustür ungeduldig auf ihn wartet, ist es alles andere als egal. Was er verlangt, ist das Produkt der Arbeit, für das der Techno-Produzent mit 5 000 Dollar entlohnt werden soll: ein Remix für die Alternative-Rocker The Lemonheads. Deren Chef Evan Dando hält es, wie jeder ernst zu nehmende Musiker Mitte der Neunziger, für angebracht und dem eigenen Ansehen förderlich, einen Remix von Aphex Twin in seiner Diskografie zu führen. Dando möchte einen seiner Songs geschäftsüblich entstellt haben, was auch immer dabei herauskommen mag. Wogende Ambient-Felder, brachialer Techno-Wumms oder kühn verschachtelte IDM, sprich: Intelligent Dance Music. Es wird schon etwas Großartiges sein. Ein großer Name sagt hier alles. Deshalb hat man Aphex Twin den Song geschickt. Er hat ihn sich nie angehört, vermutlich hat er auch den Auftrag längst vergessen. Das Label nicht. Das Label

fordert jetzt das Tonband. Wahllos greift der Künstler in die Schublade, er fördert einen Gabba-Track zutage. James erklärt dem Boten feierlich: Sein Remix basiere auf einer aus dem Song herausgelösten Note, immer wieder abgespielt, in vielfacher Geschwindigkeit. Der Bote ist beeindruckt. Hier ist ein Genie am Werk, denkt er, es hat schon alles seine Richtigkeit. Die Bezahlung erfolgt, der Track wird nie veröffentlicht.

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