„The Midnight Sky“ bei Netflix: Postapokalypse mit Zukunftsperspektive

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Es ist das Jahr 2049, mitten in der Arktis: Ein Wissenschaftler bleibt alleine in einer Forschungsstation zurück während alle anderen Mitarbeiter*innen mit Hubschraubern evakuiert werden. Drei Wochen vergehen und Augustine Lofthouse (George Clooney) beobachtet weiter wissenschaftliche Daten über die Erde, spielt gegen sich Schach und hört Musik mit einem Glas Whisky in der Hand.

Seine Krebserkrankung raubt ihm nach und nach die Kraft. Doch die Hoffnung, Funkverkehr mit der Besatzung der „ITAC“ aufbauen zu können, treibt ihn an. Das Raumschiff ist auf der Rückreise von einer zweijährigen Mission. Der Mond K-23 hinter dem Jupiter sollte getestet werden, ob er als zweite Heimat der Menschheit taugen könnte.

Endzeitstimmung auf der Erde

George Clooney präsentiert in „The Midnight Sky“ ein packendes, erstaunlich stilles Science-Fiction-Abenteuer, an dem er als Darsteller, Regisseur und Produzent mitwirkte. Ohne Glanz und Pomp, sondern mit zotteligen Haaren und eingefallenem Gesicht zeigt sich George Clooney als reumütiger, ehemaliger Star-Astronom, der bis zuletzt sein Leben der Wissenschaft widmet. An seiner Seite: Ein kleines Mädchen namens Iris (Caoilinn Springall), das anscheinend bei der Evakuierung vergessen wurde.

Auch wenn sich Iris in Schweigen hüllt und voller Rätsel zu sein scheint, rüttelt sie Lofthouse ein letztes Mal wach: In der Nähe liegt eine Wetterstation. Dort gibt es nicht nur weitere Nahrung, sondern vor allem die Möglichkeit, ein stärkeres Signal ins Weltall zur „ITAC“ zu schicken.

Hoffnung im All

Die „ITAC“ bekommt auf ihrer Rückreise bisher nichts von den Umständen auf der Erde mit. Nur, dass ihnen immer noch niemand geantwortet hat, lässt die Crew unruhig werden. Nicht die NASA, nicht Europa, ja nicht einmal China und Russland. Dabei kann es das fünfköpfige Astronaut*innenteam unter der Führung von Flugkommandant Adewole (David Oyelowo) mittlerweile gar nicht mehr erwarten, endlich zur Erde zurückzukehren. Auch wenn es an Bord erstaunlich harmonisch zugeht – unter anderem Felicity Jones als Sully sprüht vor Lebendigkeit. Ein gelungener Kontrast zur starren, verlassenen Atmosphäre auf der Erde.

Es wird gespielt, gescherzt, gewartet. Schließlich wollen sie auch die gute Nachricht mitteilen können: Der Mond K-23 ist als zweiter Heimatplanet für die Menschheit geeignet.

So springt der Film immer zwischen zwei Handlungssträngen: Zwischen der Erde und dem Raumschiff im fernen All. Zusätzlich gibt es immer wieder auch Rückblenden in das Leben vom jungen Augustine, die dem schwierigen Charakter des alten Kauzes Tiefe und Verständnis geben. Clooney selbst beschreibt seine Rolle als eine Kreuzung aus „Gravity“ und „The Revenant“.

Doch „The Midnight Sky“ ist nicht nur ein resignierter Endzeit-Film. Er zeigt auch die Kraft, die Hoffnung auf den menschlichen Willen ausübt. Clooney, der selbst politisch aktiv ist, lässt hier immer wieder seinen unübertrefflichen Optimismus durchscheinen.

Greifbare Atmosphäre ohne Kitsch

Der knapp zwei Stunden lange Film, der übrigens auf dem Roman „Good Morning, Midnight“ von Lily Brooks-Dalton beruht, schafft es, durchweg spannend zu bleiben. Das liegt nicht nur an der Verstrickung mehrerer Handlungsebenen und den auftretenden Schwierigkeiten, die bewältigt werden müssen. Insbesondere das Zusammenspiel aus Bildern, Emotionen, Reduktionen und Symbolen trägt viel zur packenden Atmosphäre bei.

So schaut nicht nur Sully mit unausgesprochener Hoffnung in den „Midnight Sky“. Auch Augustine und das kleine Mädchen blicken gemeinsam in den tiefblauen Himmel. Alle warten sie auf Antworten, die erdrückend groß erscheinen – und dennoch Hoffnung verheißen.

Diese feinen Akzente geben dem neuen Netflix-Original cineastisches Niveau – dazu kommt noch ein schlüssiger Plot–Twist am Ende. Eine gebührende letzte Netflix-Starproduktion für das Jahr 2020.

„The Midnight Sky“ mit George Clooney und Felicity Jones startet am 23.12. bei Netflix. Der Film dauert 117 Minuten.

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