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Mumford & Sons SIGH NO MORE

Es gibt kaum etwas Erhabeneres, als am frühen Morgen die Wohnung zu verlassen und „Sigh No More“ von Mumfors & Sons zu hören. Ein Song wie ein Sonnenaufgang. Langsam und durch angezupfte Andeutungen erklingen in Reinheit förmlich badende Männerstimnmen, die das Licht heraufbeschwören. Der Eröffnungssong ist prototypisch für das zu Herzen gehende Rezept der Mumford & Sons. Ein Song weht heran, wird sanft eingebettet in die wohl tollsten Folk-Arrangements dieses Jahres und dann hebt er ab, wird zur anschwellenden Hymne und expandiert in alle Richtungen.Diese Songs sind Sehnsuchtslieder die euphorisieren und gleichzeitg Melancholie verströmen. Muss man bei den Fleet Foxes eher an pastorale Andacht denken, so verkörpern Mumford & Sons die Party danach. Sie geben sich ein wenig kratzbürstiger, weniger glattpoliert, dafür mit mehr Verve und einem vergleichbaren Popverständnis. Es ist unmöglich diese beiden Bands zu trennen, so ist doch das beidseitige Stilmittel der Männerchor, inzwischen endgültig kein Novum mehr im Popgeschäft. Das ist Pop ohne Testosteronattitüde, dafür eine Wiederauferstehung der Verletztlichkeit und der Sensibilität.Hauptnamensgeber Mumford zieht in nahezu allen Songs den Kürzeren, die Liebe gleitet ihm durch die Hände wie Treibsand, doch spielen er und seine Mannen mit allem was sie haben dagegen an. Das Mädchen wird gefeiert, aber nie erreicht. „I will hold on hope“, oder „I really fucked it up this time“ (Little Lion Man) sind die exemplarischen Textzeilen, die die Momente der Hoffnung und der nachfolgenden Ernüchterung festhalten.Den Referenzkasten zu öffnen, wäre eine Geste des Disrespekts, so erzeugen Mumford & Sons eine ganz und gar eigene Dringlichkeit, die beispiellos ist. Eine der Platten des Jahres.

Kai Wichelmann – 14.12.2009


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