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Neue Alben: 24.-30. Oktober 2011

von

Platte der Woche:
Florence + The Machine – Ceremonials

ME-Autor Thomas Winkler schreibt: „Keine niedlichen Glöckchen mehr, sondern breite, fette Synthesizerschlieren. Kein einsames, melancholisches Cello, sondern gleich eine ganze Kompanie hysterischer Streichinstrumente. Keine vorsichtig knuspernden Beats, sondern forsch bollernde Tribal-Rhythmen. Kurz: kaum noch leise Töne, sondern das ganz große Kino. Das funktioniert auch ganz prächtig. Denn die Songs sind gut und die Melodien eingängig, jeder zweite Track auf diesem Album ist absolut hittauglich. Die Folge ist allerdings die Aufgabe des Alleinstellungsmerkmals. Florence And The Machine klingen nicht mehr wie Florence And The Machine, sondern auf „Lover To Lover“ exakt wie Adele. Nicht nur „No Light, No Light“ weckt Erinnerungen an eine gewisse Kate Bush. Und für „Shake It Out“ kommt, man muss es so hart sagen, sogar Enya aus einer vom Tau noch feuchten Auenlandschaft geschwebt.

Man darf allerdings auch zugeben: Das klingt schon ziemlich geil. Allerdings: Irgendwann ist das Schlagzeug dann doch mit hinreichend Hall ausgestattet, sind die Streicherarrangements von adäquater Flauschigkeit und hat die Stimme sich in eine zweckmäßig lichte Höhe geschraubt. Die Summe der einzelnen Teile ist eben nicht immer größer als das Ganze. Aber der Zauberlehrling, so scheint es, hatte die Sache irgendwann nicht mehr ganz im Griff, er rührte weiter und weiter in seinem Topf mit den schicken Klangeffekten, aber konnte dann doch nicht verhindern, dass die ganze Suppe immer mal wieder überkocht.“

A
Aeroplane – In Flight Entertainment

B
Buraka Som Sistema – Komba

D
Dntel – Life Is Full Of Possibilities   

B
Bush – The Sea Of Memories

I
I Heart Sharks – Summer

K
Kammerflimmer Kollektiv – Teufelskamin

M
My Brightest Diamond – All Things Will Unwind
Shara Worden war Mitglied der fabelhaften Illinoisemakers, die Sängerin und Multi­instrumentalistin eroberte sich in Deutschland eine Fangemeinde im Vorprogramm von Sufjan Stevens. Seither werden ihre Aufnahmen im Kontext der Sufjanschen Kammermusik rezipiert: ein Barockpopmädchen mit evangelikalem Background, eine hübsch kostümierte Kate Bush des neuen Amerika. All Things Will Unwind ist ihr drittes Album unter dem Logo My Brightest Diamond und die Künstlerin hat beschlossen, mit den elf neuen Liedern Bilanz zu ziehen. Dazu zählt der Umzug von Brooklyn in die alte Heimat Detroit („High Low Middle“), die Geburt ihres Sohnes („I Have Never Loved Someone“), der Blick auf Leben, Tod und Liebe. Jaja, es braucht ein ganzes Leben um lieben zu lernen, wem singt Shara Worden das? Wenn die Amerikanerin hin und wieder auch als gute Tante aus dem Popmusical rüberkommt, ist ihr ein dennoch starkes Album gelungen, vom Vaudevillepop „We Added It Up“ über den gottesfürchtigen Flüstersong „Be Brave“ bis hin zur Mbira-Meditation „Everything Is In Line“. Wordens Gesang kurvt traumverloren in den instrumentalen Serpentinen der Kammerpopspezialisten vom yMusic-Ensemble. Die halbe Geschichte erzählen Streicher, Bläser, Marimba, Banjo und Ukulele, oder eben: ihre Absenz. Der letzte Song geht an die Adresse des Neugeborenen. Worden lässt ihre Alt-Stimme nur auf dem Harmonium ruhen, so darf sich der Moment vollendeten Glücks anhören: „I have never loved someone the way I love you/ I have never seen a smile like yours“. (ME-Autor Frank Sawatzki)

P
Peter Licht – Das Ende der Beschwerde
Peter Licht hat eine Wall of Sound and Words gebaut, an der wir uns mit ihm entlanghangeln können, Songs, bei denen akustisch die Sonne aufgeht. Die neue Platte des Kölner Songwriters und Autors ist basslastiger, voluminöser geworden, mehr New Order als Blumfeld, eher Rock’n’Roll als Chanson, um die ältesten verfügbaren Worte zu finden – den Kollegen aus der Alternative-Ecke, den Lautsprechern aus den selbsternannten deutschen Schulen immer einen Gedanken, eine Textzeile voraus. Ein böser Mensch, wer dabei ein Griemeln auf Lichts Gesicht entdeckt. Das Ende der Beschwerde macht Lust auf Erweiterung: Die Freiheit und die Möglichkeiten singen, wie Peter Licht das ausdrückt. In Wirklichkeit ein Anfang, kein Ende. Jedes mal wieder neu, wenn man sich in die große Popspirale begibt. Dorthin, wo die Melodien so schnell nicht versiegen. Schlaraffenland, wir kommen!“ (ME-Autor Frank Sawatzki)

R
Reed, Lou & Metallica  – Lulu
Qluster – Rufen

S
Sharon Jones & The Dap-Kings – Soul Time

T
Ternheim, Anna  – The Night Visitor


Coming Soon: Neue Alben, die 2021 erscheinen oder schon erschienen sind
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