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🔥Tote Musiker, Schauspieler und Co.: Die verstorbenen Persönlichkeiten 2019

Jahresrückblick 2019

Von schwulem Country bis freidrehendem Jazz: 6 von unzähligen neuen Trends im Pop 2019

Sechs von ungefähr 60 neuen Entwicklungen in der Popmusik, die uns 2019 besonders auffielen. Die Rückkehr des sanften Popstarmannes, die Allgegenwart des Jazz, das Retro der Saison, die Mainstreamisierung des Dubstep, schwarzer und schwuler Country, die Dominanz der Songwriterinnen. Albert Koch, Jochen Overbeck, Frank Sawatzki und Annett Scheffel bilanzieren.

1. DIE NEUEN SOFT BOYS

England entdeckt den superauthentischen Songwriter mit viel Herz.

Nicht einmal einen ordentlichen Beef bekommen die beiden hin: Wenn Sam Fender und Lewis Capaldi sich auf Twitter und Co. kabbeln, dann schieben sie stets ein serviles „War ja gar nicht so gemeint“ hinterher. Das passt gut ins Bild eines neuen Popstar-Typs, der 2019 in mehrfacher Ausführung über uns hereinbrach: Nicht nur Capaldi (klingt wie James Blunt in nicht ganz so einfältig) und Fender (besser, zumindest mit einem Bein in jenem Territorium verankert, das man früher Indie-Rock nannte) sind von irritierender Freundlichkeit; auch der mit Umweg über Deutschland zum Popstar gewordene Tom Walker und der etwas näher am HipHop angelegte Dermot Kennedy definieren sich über Achtsamkeit.

Alle meiden sie toxische Männlichkeit, alle haben sie ihr Ohr an persönlichen Befindlichkeiten, oft sogar an gesellschaftlichen Umständen. Und: Allen geht – ein interessanter Gegenentwurf zum Popstar amerikanischer Prägung – jedes Star-Gehabe ab. Die vier sind Männer, die in der Stammkneipe am Tresen neben einem stehen könnten. Die einem ihr Ohr leihen würden und einen Fünfer für Tabak und Blättchen. Genau die Freunde, die man braucht, wenn es mit dem Brexit kälter wird in Großbritannien.

Jochen Overbeck


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2. DAS NEUE GESTERN

Retro-Schleife, die nächste: Zaghaft nähert sich Amerika dem Indie-Rock der Nuller an.

„I Will Follow You Into The Dark“, eine wohlgelittene Ballade von Death Cab For Cutie, aber keineswegs ein Klassiker, wurde 2019 gleich zwei Mal gecovert. Einmal von Lana Del Rey, schließlich auch von der Newcomerin Miya Folick. Deren sanft gehauchte Version war Teil des Soundtracks zur Hulu-Serie „Looking For Alaska“, die 2005 spielt, also in jenem Jahr, aus dem auch der Song stammt. Weiter auf dem Soundtrack: Coverversionen von The Bravery und Franz Ferdinand sowie Indie-Oldies von Rilo Kiley und den Strokes.

Gleichzeitig brachten sich 2019 einige Veteranen in Stellung: die erste Single von Modest Mouse seit vier Jahren. Das erste Album der Get Up Kids seit acht und das erste von Pedro The Lion seit 14 Jahren. Wie viel Nachhaltigkeit dieses Mini-Comeback des Frühnuller-Indies besitzt, wird sich zeigen. Hinter „Looking For Alaska“ stehen auf jedem Fall die Macher von „The O.C.“ Damals wurde auch der Sound der Serie zum Hit.

Jochen Overbeck

https://www.youtube.com/watch?v=tE6ZKGPme74

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