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James Murphy: „Reinheit kaufe ich keinem ab“

„Ah, ich weiß. Ihr spielt mir Songs vor und ich tue so, als ob sie mir gefallen. Das Spiel heißt ‚Make That Enemy‘.“

Im Taxi zum Hotel, Stunden vor dem Berlin-Konzert seines LCD Soundsystem, gibt James Murphy den Brummbär. Er hat einen länglichen Soundcheck hinter sich, einen etwas entzündeten Hals und wenig Zeit. Und jetzt kommt noch der MUSIKEXPRESS daher und will Kollegenschelte von ihm hören. Als dann aber erst einmal das improvisierte ME Soundsystem aus Discman und quäkenden PC-Aktivboxen den kahlen Hotel-Tagungsraum beschallt und heißer Kaffee die Kehle netzt, erweist sich der New Yorker als aufmerksamer Hörer und versierter Kenner, der – das ist schließlich sein Beruf – Musik sehr mit den Ohren des Produzenten hört (klingen diese Drums nicht sehr nach vor 1985?),

sich aber auch seine Leidenschaft erhalten hat und sich nicht mit Bullshit aufhalten mag. Viele Feinde hat er sich dann nicht gemacht. Und Ben Folds ist ja kein gewalttätiger Mensch.

Bright Eyes: „Landlocked Blues“

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James Murphy: „Ist das Devendra Banhart? (Pause; überlegt) Oder Conor Oberst? Ich hab‘ noch nie einen Ton von ihm gehört. Das ist das erste Mal gerade.“

Aber der ist doch in aller Munde momentan.

„Ich bin da auf sehr spezielle Weise ignorant. Ich habe kein Radio. Ich gehe nicht oft in Plattenläden. Ich bin 35, und die Art, wie ich auf Musik komme, ist anders als vor zehn Jahren. Wenn ich 25 wäre, hätte ich ihn schon gehört. Ich war auch schon lange neugierig auf ihn.“

Aber heute wartest du, bis dir was über den Weg läuft?

„Ich hab‘ einfach nicht Zeit, allem nachzugehen. Aber ich versuche, Sachen im Kopf zu behalten, so ‚diese Platte möchte ich noch hören‘. Wenn ich einen Song höre, der mir gefällt, will ich mir die Platte kaufen. Um ihn zu besitzen. Und weil ich Leuten, die was Anständiges machen, Geld geben will. Ist ja selten genug.“



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