Anna Calvi Hunter 


Domino/GoodToGo (VÖ: 31.8.) 

von

Die Namen der prominenten Mitwirkenden könnte man schnell als Lockangebote für das dritte Anna-Calvi-Album lesen. Für zwei von 1 000 interessierten Menschen mag das auch so funktionieren, aber Lockvögel hat Calvi gar nicht nötig; die studierte Musikerin und Sängerin spielte von Anbeginn an unter einem eigenen Stern.

Ihre aktuellen Mitstreiter Martyn Casey (Bad Seeds, Bass), Adrian Utley (Portishead, Keyboards), Nick Launay (produzierte Nick Cave und die Yeah Yeah Yeahs) sind keine Weltstars, aber sie stehen für einen dunklen, archaischen Sound, der sich in Reichweite von Calvis betörender Körpermusik befindet, die ja dann auch die auf den Plan holte, die Körper in Träume hüllen. Es gibt diesen einen Moment auf dem Album, in dem Calvi wie eine Lagerfeld-Muse auftritt, in einer Beinahe-Schnulze mit Beinahe-Operngesang („Away“), das bleibt aber ein Ausreißer. „Indies Or Paradise“ ist ein Stück Postpunk mit eingedelltem Gitarrensolo. „Swimming Pool“ findet einen ruhigen Ton in einem für die Sängerin eingerichteten Hallraum. „Alpha“ besitzt dieses Fingerschnippen, das eine Idee aus der Traumfabrik des Rock ins Hier & Jetzt trägt, der Song ist so lange ihr „Fever“, bis die Abrissarbeiten an der Gitarre beginnen und die Musik einzustürzen droht wie eine frühe Birthday Party, nur um am Ende zu sich zurückzukommen. Das sind die Wege, die Calvi abfährt, sie führen uns an die Grenzen dessen, was wir Rock nennen würden. Die Ausschläge fallen gewaltig aus, aber anders als auf dem Vorgänger ONE BREATH – Metal- und Klassikmomente: Fehlanzeige.

Die Künstlerin sagte, dass sie eine Form von Loslassen mit den neuen Songs probt, und diese Songs sind stark und brüchig, sie transportieren Gedanken und Erfahrungen, die nicht gleich mit Zuschreibungen wie „männlich“ oder „weiblich“ verbunden sind. Es geht auch auf der körperlichen Ebene ums Überwinden von Grenzen. „Don’t Beat The Girl Out Of My Boy“ – dazu ein Schubidu von der nicht so schönen Sorte.   

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