Bela B Bye


B-Sploitation/Rough Trade

von

Es hat etwas vom Fluch des Erfolgs: Gerade weil Die Ärzte immer noch so verdammt erfolgreich sind, wird den Nebenaktivitäten von BelaFarinRod nie die gleiche Aufmerksamkeit zuteil wie dem Band-Output. Das war im Falle Dirk „Bela B“ Felsenheimer schon bei den beiden Vorgängern BINGO und CODE B so. Und auch BYE ist ein Album, das kaum jemand anderen als den eingefleischten DÄ-Fan erreichen wird.

Was eigentlich ziemlich schade ist: Der Gesang des 51-Jährigen ist, wie gehabt, jugendlichdynamisch. Die Texte, die sich um die große Liebe, One-Night-Stands und kleinkriminelle Delikte drehen, kratzen zwar arg am Schlager, wirken aber nie vollends peinlich. Und die Musik tendiert in Richtig Americana. Sprich: Bela liebäugelt mit Country, Rockabilly, Folk und Honky-Tonk, bewegt sich zwischen Johnny Cash, Elvis und Lee Hazlewood und erweist sich als Experte für die Subkulturen der 50er- und 60er-Jahre. Das macht er nicht zum ersten Mal.

 Bereits auf BINGO duettierte er mit Hazlewood in „Lee Hazlewood & das erste Lied des Tages“, und viele der von ihm geschriebenen Ärzte-Hits wie „Goldenes Handwerk“ und „Manchmal haben Frauen“ verströmen Stallluft. In Elvis P. sieht er den „wichtigsten Musiker der letzten 150 Jahre“, weshalb er 2007 mit Wonne die Biografie des King auf Hörbuch-CD einlas. Und mit seiner neuen Band, der Nürnberger Countrytruppe Smokestack Lightnin’, ist er auch schon länger bekannt: 2009 nahmen sie gemeinsam „Altes Arschloch Liebe“ auf.

Wichtiger als das Expertentum dürfte für den Fan aber der Humor sein – und den hat Bela B nicht verloren. Das zeigt er mit Bekenntnissen wie: „Ich war so jung, die Sünde kannte ich noch nicht“ oder mit penetrantem Takt-Anzählen, das letztlich in einem „you know the rest“ gipfelt. Fazit: BYE ist kurzweiliger Ersatz bis zum nächsten Ärzte-Epos.


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