D.D Dumbo Utopia Defeated


4AD/Beggars/Indigo

von

Im Video kann man dieser Musik bestens beim Werden zuschauen. Wie Oliver Hugh Perry vor einem kleinen Publikum in einem Hinterhof auftritt, mit ein paar funky gespielten Blues-Riffs auf der Gitarre loslegt und dann das Loop-Pedal einsetzt. Während das geloopte Riff kreisend weiterzieht, nimmt Perry das Mikrofon in die Hand, zeichnet ein paar Beats auf der Trommel auf. Bald glaubt man einer wunderbaren Verwandlung des klassischen Mali-Blues beizuwohnen, der Song wächst und wächst, ohne sich aufzublähen.

Perry stammt aus dem 7000-Einwohner-Kaff Castlemaine nordwestlich von Melbourne, er hat seine Tracks zu Hause im Wohnzimmer aufgezeichnet, doch einen Homerecording-Sound besitzt UTOPIA DEFEATED nicht. „Walrus“, der Song aus dem Live-Video, steht direkt am Anfang dieses Debüts, Perry verzichtet aufs Loop-Pedal und lässt den Blues jetzt sekundenlang in einen Hallraum fliegen, und ein total 70s-mäßiger Phaser-Effekt schickt das Ding noch einmal woanders hin.

Es gibt fast in jedem Song auf dieser Platte ein ziemlich aus dem Blues-Kontext ragendes Instrument oder eine bizarre Passage, etwa das Tuba-Intermezzo in „Satan“, die Bläsersätze in „King Franco Picasso“, die sakra­len Chöre in „Brother“ – das geht in Richtung Progrock. Und dann doch wieder nicht, weil D. D Dumbo sich mit Emphase dem Groove verschreibt. So entsteht eine oft paralysierende Hybrid-Musik, deren Flirren hin und wieder an Talking-Heads-Stücke aus der „I Zimbra“-Phase erinnert. Hiermit die Bescheinigung für die bestandene Debüt-Prüfung: UTOPIA DEFEATED ist punktgenau und beeindruckend weich zwischen den Stühlen und Stilen gelandet.


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