Dead Can Dance Dionysus 


PIAS/Rough Trade 

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Bei den alten Griechen ist Dionysus der verantwortliche Gott für den Suff, Sex und Wahnsinn, kurz: die gesamte Lieferkette der Dekadenz. Brendan Perry von Dead Can Dance hat noch tiefer geforscht und weitere Bedeutungen dieser antiken Gottheit gefunden. So sei er eines Tages aus dem Osten übers Meer kommend aufgetaucht, mit lautem Getöse und unklarer Absicht, weshalb Dionysus als Patron der Außenseiter und Fremden gilt, auf deren Ankunft niemand gewartet hat.

Und was hat er an Bord? Bewusstseinserweiternde Stoffe, seltsame Musik und tranceartige Tänze. Kurz: Der Typ ist auch der ultimative Partygott, und weil er nicht zuletzt dafür verantwortlich ist, die toten Seelen in die richtige Richtung zu lenken, ist Dionysus der perfekte Held für ein Album von Dead Can Dance. Brendan Perry und Sängerin Lisa Gerrard untersuchen seit ihren gothic-dunklen Anfangstagen Anfang der 80er nach modernen Bedeutungen in uralten Musiken und Texten.

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DIONYSUS ist ein besonderes Album, weil Mastermind Brendan Perry – eine Art Nick Cave für „Game Of Throne“-Fans – und Gerrard zunächst gar nicht singen. Perry hat das Album als Oratorium konzipiert, mit zwei Akten und sieben Movements, was sich strenger liest, als es sich anhört. Im ersten Akt ist die Platte eine fröhlich-transzendente, exotisch-heidnische Erntedank-Party mit Chorgesängen und Tiergeräuschen.

Erst Akt II führt die beliebten Stimmen ein, bei „The Mountain“ singen Gerrard und Perry zusammen, die Fans atmen auf, weil Trennungsgerüchte die Runde gemacht hatten. Auch der sonderbare Frauenchor der Mystery Voices of Bulgaria (mit dem Gerrard zuletzt ein eigenes Album aufgenommen hat) ist zu hören, dazu Dutzende seltsame Instrumente sowie Sprachen, die klingen, als erfinde ein Kleinkind einen geheimnisvollen Fantasieslang. Was fehlt, sind die bittere Kälte des Mittelalters und der Nebelkitsch. Für einige Hörer werden Dead Can Dance damit jetzt erst interessant. 

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