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Disclosure Caracal


Island/Universal VÖ: 25. September 2015

von

Vielleicht ist es am einfachsten zu ertragen, wenn man vorwegnimmt, was man befürchtet hatte: Das DJ-Brüderpaar Guy und Howard Lawrence bleibt an der großen Newcomer-Hürde, dem zweiten Album, sang- und klanglos kleben. Schade ist das vor allem, weil man sich 2013 so über diese bleichen Briten gefreut hatte.

Und es sagt viel über CARACAL aus, dass man, um zu verstehen, was daran nicht stimmt, erst mal erklären muss, was am Vorgänger, SETTLE, so gut war: Ihr Debüt zwischen warm-melancholischem Deep House und lässigem UK-Garage klang so frisch und verführerisch, als hätte das Duo in den gelernten, fachgerecht zusammengeschraubten Elektronikmustern eine neue Lebendigkeit entdeckt. Zu tun hatte das aber weniger mit raffinierten 2-Step-Beats als mit einem feinen Gespür für Popmelodien. Trotzdem hatte dieser fröhliche Dance-Pop, clever gespickt mit den richtigen Elektro-Bezügen, nicht nur die übliche Zielgruppe angetrunkener Idioten im Blick (das, was James Blake im Hinblick auf die USA mal so schön als „Studentenverbindungsmarkt“ bezeichnet hat), sondern auch die Auskenner und Stilsicheren.

CARACAL dagegen klingt, als hätten Disclosure auf Nummer sicher gehen wollen: zu einstudiert, zu schwerfällig, beinahe schmalzig hüpfen hier die Beats. Es ist nicht alles schlecht – etwa die kühlen, scharfkantigen Synthesizer in „Mag­nets“ (mit Gastsängerin Lorde) oder „Good Intentions“, die Zusammenarbeit mit R’n’B-Star Miguel, die viel Raum für seine schmeichelnde Soulfulness lässt. Zu vieles aber klingt merkwürdig antriebs- und ideenlos – man vergleiche nur die 2013er Hitsingle „Latch“ mit dem erneuten Sam-Smith-Auftritt in „Omen“. Man würde gähnen, wenn man sich nicht an anderer Stelle richtig ärgern müsste: Darüber zum Beispiel, wie die wunderbare Stimme von Gregory Porter in „Holding On“ unter Beats und Auto-Tune zu Brei plattgedrückt wird. Dazu gibt es dann wohl Bier aus Pappbechern.


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