Jade Bird Different Kinds Of Light


Glassnote/Rough Trade (VÖ: 13.8.)

von

Travis haben damals halb verzweifelnd, halb anklagend gefragt: „Why Does It Always Rain On Me?“ Jade Bird dagegen löscht die Wetter-App, provoziert die meteorologischen Mächte: „Open Up The Heaven“, soll der Regen doch auf sie niederprasseln, in Eimern, Kübeln, Cats & Dogs – alles egal, das Leben ist Mist, die Liebe sowieso, genießen wir beides, so gut es eben geht.

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Mit ihrem zweiten Album hat die Singer/Songwriterin aus London eine exzellente Mischbatterie aus Britpop, Americana und Indie-Rock konstruiert. „Open Up The Heaven“ klingt wie einer dieser Songs, die man damals im MTV-Zeitalter in tiefer Nacht in der Indie Show „Alternative Nation“ entdeckt hat. die Moderatorin der Sendung, Marijne van der Vlugt, war damals Sängerin der Band Salad, die ganz ähnliche Musik gemacht hat, wie Jade Bird es heute tut.

Bis es in den Ohren kratzt und knistert

„Honeymoon“ hat – noch eine Travis-Referenz – den gleichen Beat wie deren früher Hit „Tied To The 90’s“. Jade Bird singt über die Romantik als einer Erfahrung zwischen Suff und Kater, Hoffnungen und zerplatzten Träumen. Manchmal überschlägt sich ihre Stimme, in diesen Momenten denkt man an die walisische Band Catatonia mit ihrer Sängerin Cerys Matthews, auch eine Expertin für selbstbewusste Leidenserzählungen.

Man merkt schon: Nichts an DIFFERENT KINDS OF LIGHT klingt wirklich neu. Nicht die akustischen Balladen, die noch folgen, nicht der folkige Twang von „Now Is The Time“. Immer jedoch findet die Britin eine zwingende Refrainmelodie, und wenn die Gefühle überhandnehmen, überschlägt sich ihre Stimme, bis es in den Ohren kratzt und knistert.


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