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Låpsley Long Way Home


XL/Beggars/Rough Trade

Man kommt bei diesem fein abgewogenen und gerade eben sehr angesagten Sound natürlich in Versuchung, ein schnelles Urteil zu fällen. Zu gut kennt man dieses In- und Umeinander von weichen Soul- und Popballaden und stolpernder und klickender Electronica. Von Jessie Ware zum Beispiel. Oder von Banks. Hier allerdings lohnt es sich, aber doch noch mal genauer hinzuhören.

Denn die 19-jährige Holly Lapsley Flechter hat eine feine Nase für Melodien. Schön und smart sind die nebligen, rauschenden Balladen ihres Debütalbums. Die schöne Melancholie grauer Wintertage liegt in ihnen. Vielleicht ist es auch nur dieses bestimmte nächtliche Sehnsuchtsgefühl – in jedem Fall ist es dunkel und intim. Mal klingt das nach den wunderbar zögerlich gehauchten, sich zart vorwärtstastenden Schlafzimmer-Kompositionen, mit denen Låpsley angefangen hat („Station“ war in einer früheren Version schon auf der Debüt-EP „Monday“), mal deutlich üppiger wie in „Hurt Me“ mit dem Power-Refrain: „So if you’re gonna hurt me, why don’t you hurt me a little bit more?“

Für „Operator“, einen Slow-Disco-Song über eine Telefonliebe, holt sich Låpsley einen kleinen Gospelchor dazu. In „Leap“ scheint inmitten der verschwurbelten und blubbernden Synthies alles in einen verwunschenen Schwebezustand geraten. Immer sind die Beats angenehm sparsam eingesetzt, damit das Zentralgestirn dieser Lieder heller strahlen kann: Låpsleys schöne, ruhige, helle Stimme. Und immer erkennt man an den kleinen Ideen – ein plötzlich aussetzender Beat oder ein aus dem Song- Unterbau aufkreischender, verspulter Chor – wie sorgsam diese Songs Schicht für Schicht zusammengesetzt sind.

Kooperation

Ein paar Mal schießt sie dabei übers Ziel hinaus: wenn die Spieluhrenmelodie in „Painter“ ein bisschen zu kitschig gerät oder das Liebesgesäusel in „Love Is Blind“ ein bisschen zu pathetisch. Von der schönen Stimme lässt man sich aber gerne wieder um den Finger wickeln.


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