Album der Woche

Melody’s Echo Chamber  Bon Voyage 


Domino/GoodToGo  

Die Platte war im Kasten, die Single „Cross My Heart“ veröffentlicht, da war die französische Sängerin und Songwriterin Melody Prochet in einen schweren Unfall verwickelt. Ein Jahr lang lagen sämtliche Pläne auf Eis, dann die gute Nachricht: Ihr geht es wieder besser, BON VOYAGE erscheint.

Aufgenommen hat Prochet das Album zusammen mit den schwedischen Psych-Spezialisten Dungen, die ihr fabelhaftes Können seit einiger Zeit angenehm häufig in den Dienst anderer Acts stellen. Davon profitierten zuletzt schon die Indie-Folker von Woods, das Projekt mit Prochet geht deutlich weiter. Auf ihrem Debüt hatte Prochet zusammen mit Kevin Parker von Tame Impala das Fundament für ihre psychedelischen Chansons gelegt, auf BON VOYAGE wirft sie zusammen mit Dungen die Koordinaten wild durcheinander.

„Cross My Heart“ beginnt als französischer Northern Soul, besitzt einen irren Zwischenteil, der wie die Avalanches auf der „La Boum“-Party klingt, bevor Gustav Ejstes an der Querflöte und Reine Fiske an der Gitarre das Stück in den Himmel heben. „Desert Horse“ ist noch irrer, kreuzt Tuareg-Musik mit schwedischer Folklore, es gibt einen Auto-Tune-Teil, der klingt, wie sich Verdursten anfühlt, zwischendrin flucht jemand auf Schwedisch – danach kann man dem Stück dabei zuhören, wie es kollabiert. Das alles ist wahnsinnig faszinierend, erst recht, wenn sich aus dem Chanson-Freakbeat-Psych-Rock Hits wie „Quand Les Larmes D’un Ange Font Danser La Neige“ entwickeln, dessen Finale einem den Atem verschlägt.

Klingt wie: Dungen: TA DET LUGNT (2004) / La Volume Courbe: I WISH DEE DEE RAMONE WAS HERE WITH ME (2015) / Dungen/Woods: „Myths 003“ EP (2018)


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