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Queen The Singles Collection – Volume 4


EMI VÖ: 15. Oktober 2010

Bei Queen macht man es sich ja immer leicht: 70er hui, 80er pfui, 90er gibt’s nicht. Ganz, ganz (ganz!) grob stimmt das auch. Aber ums Grobe ging es bei Queen nie. Auch wenn sich im vierten und letzten Eintrag in die „The Singles Collection“-Reihe, einige grobe Patzer befinden – wenn auch nicht die supergroben. Denn immerhin datiert die finale der hier versammelten 13 Singles (mitsamt B-Seiten) aus dem Jahr 1999 und somit werden unsägliche Projekte wie Queen + Paul Rodgers nicht zum Kanon gezählt. Aber 1999? Die Zeitrechnung des Queen-Puristen hört doch 1991 mit „The Show Must Go On“ auf. Die späteren Singles mit auf zu nehmen, ergibt aber – meistens – durchaus Sinn. So ist der Benefiz-Re-Release von Mercurys Meisterwerk „Bohemian Rhapsody“, das kurz nach dem Tod Mercurys wieder auf Platz eins stand, für die Geschichte der Band ebenso wichtig wie das von Ecken und Kanten losgelöste MADE IN HEAVEN-Material, an dem Mercury bis zuletzt gearbeitet hatte. Und selbst wenn „No-One But You (Only The Good Die Young)” der zum Trio geschrumpften Gruppe eine Queen-Ballade by numbers darstellt – die paar Minuten darf man sich schon Zeit nehmen zum Tschüss-Sagen. Wer sich aber schon so uninspiriert verabschiedet, der sollte wenigstens auf die Zugabe, den Quatschdance „Under Pressure (Rah Mix)“, verzichten. Doch sind die eben behandelten Songs hier sowieso eher wie Bonustracks zu verstehen. Es zählen die richtigen Singles davor, auch wenn diese in der Minderzahl sind. Von denen ist zumindest das gleichermaßen komplexe wie bedrohliche „Innuendo“ von fast unglaubwürdiger Größe. Nach all der familienfreundlichen Formatware der 80er sollte die Band noch so viel markerschütternde Substanz beweisen? Und dann sogar noch mehr auf „The Show Must Go On“ – der Song, in dem Freddie Mercury dem Tod ins Gesicht schreit, gehört zum Bewegendsten, was jemals aufgenommen wurde. Die „The Miracle“-Single liefert Sammlern immerhin eine Liveversion des Fetzers „Stone Cold Crazy“ und die „The Show Must Go On“-B-Seite, „Queen Talks“, eine Collage aus Interviews mit der Band, ist so unterhaltsam (Freddie Mercury stellt sich als Kim Basinger vor) wie interessant (Wer kennt schon die Stimme des meist auf lautlos gestellten Bassist John Deacon?). So tragisch die Karriere Queens enden musste, sie bäumte sich zum Schluss, auf INNUENDO, zu einem unerwarteten Höhepunkt auf. Ein Ende mit der Kraft eines Neuanfangs, der seine Kraft allerdings einzig aus seinem ihm inbegriffenen Ende schöpfte. Oder wie es eine deutlich in der Tradition Queens stehende Band namens The Smashing Pumpkins formulierte: The End Is The Beginning Is The End.


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