Tegan and Sara Love You To Death


Warner

Mal ehrlich, wer hätte vor 15 Jahren gedacht, dass ein queeres kanadisches Zwillingspaar eine derartig lange und erfolgreiche Popkarriere hinlegen würde? Tegan And Sara sind vielleicht die letzte (Ex-)Indiecombo, die über mehrere unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindende Alben hinweg reifen konnte, um erst bei teenage loners und Forum-Usern, dann bei Kritikern und schließlich bei Katy-Perry-Fans zu punkten?

Die Quin-Schwestern sind im Mainstream angelangt. Die Grund­lage dafür legten sie mit dem vor Hooks berstenden HEARTTHROB (2013), das einen sensationellen Platz drei der US-Albumcharts erreichte. Mit ihrem achten Album könnten sie diesen Status nun zementieren. LOVE YOU TO DEATH wurde komplett von Greg Kurstin produziert, der schon auf dem Vorgänger die Nachfolge des langjährigen Tegan-And-Sara-Partners Chris Walla (ehedem Gitarrist und Ko-Songwriter bei Death Cab For Cutie) antrat und unter anderem „Hello“ von Adele im Lebenslauf stehen hat.

Entsprechend makellos klingt die Platte denn auch. Die Instrumentals hätten sich ohne Probleme auf dem letzten (wirklich tollen!) Album von Carly Rae Jepsen befinden können – Tegan And Sara reichten für EMOTION sogar ein paar Kompositionen ein, die schlussendlich aber nicht verwendet wurden –, und wem die Autoscooterpop-­Tendenzen von HEARTTHROB schon sauer aufstießen, der wird mit LOVE YOU … bestimmt nicht warm werden.

Kooperation

Songs wie „Stop Desire“ und „Boyfriend“ sind lupenreine Monsterhits, die aber, in der klassischen Fasson von Tegan And Sara, nicht danach klingen, als wären sie fürs Radio geschrieben worden. Die beiden haben sich ihr Selbstbewusstsein und ihre Unabhängigkeit über die Jahre hinweg hart erarbeitet; homophobe und sexistische Ressentiments und vor allem innerfamiliäre Traumata überwunden.

Wahrscheinlich ist LOVE YOU … deswegen das auf lyrischer Ebene schonungsloseste Album von Tegan And Sara seit THE CON (2007). „White Knuckles“ und „100ד, beide von Sara geschrieben und gesungen, handeln explizit von den Identitätskonflikten, den tiefen emotionalen Wunden, die sich nur Geschwister gegenseitig zufügen können. Starker Tobak, mit Ausnahme der blutleeren „Faint Of Heart“ und „Dying To Know“ in starke Songs verpackt.


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