Toro Y Moi Anything In Return


Carpark/Indigo VÖ: 25.1.

von

Vorab: Hier wird ungefähr auf ähnlichem Level gejammert, wie es Lionel Messi tut, wenn statt vier nur drei Tore pro Spiel auf sein Konto gehen. „Underneath The Pine“ von Toro Y Moi ging hier völlig zu Recht mit sechs orangeleuchtenden Sternen vom Platz, da muss ein neues Album natürlich doppelt und dreifach punkten, um dem gerecht zu werden. Frei von unfairen Erwartungen sind das 13 Songs, die jedem Radioprogramm dieser Welt gut stehen würden, ohne platt zu sein und mit dem Stigma  „zum linken Ohr rein, zum rechten Ohr wieder raus“ behaftet zu sein. Das Album sucht die Ohrwürmer direkter und findet sie zum Glück auch.

Der Funk selbst bleibt dabei leicht auf der Strecke. Chaz Bundwick, der zwischendurch auf Daphnis Label Jiaolong unter dem Alias Les Sins eine House-EP veröffentlichte, geht jetzt zwar keinen elektronischen Weg, pflastert seine funkigen Pop-Pfade allerdings vermehrt mit allerhand Spielereien, wie zum Beispiel in „ Touch“, das mit seinem zurückgezogenen bassbetonten Beat und dem souligen Gesang auch ein frühes Hot-Chip-Werk sein könnte, oder dem Opener „Harm In Change“, der in Indie-Discos eher zu fortgeschrittener Stunde gespielt werden dürfte.

Songs wie „So Many Details“ sind astreine Ohrwürmer mit genügend Sex-Appeal, und sollte je ein Video zu „Cake“ gedreht werden, dürfte es Strandbuggys und eine Slow-Motion-Dusche des Protagonisten mit offenem Hemd und Goldkette zeigen. „She knows. Imma be her boy forever“, heißt es da. Was für den einen vielleicht noch als funky Ballade durchgeht, kann im falschen Ohr, auch wie die cheesigste Boybandnummer der 90er-Jahre klingen. Das falsche Ohr sitzt allerdings nicht auf dem Kopf des Rezensenten, deshalb gibt es einen Daumen nach oben als Kaufempfehlung.


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