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Wild Beasts Boy King


Domino/GoodToGo

Die Wild Beasts waren schon immer eine dunkle und abgründige Band. Doch das Publikum braucht Donnergrollen und Corpsepaint, um das zu verstehen. Und so sorgten ihr Falsett- und Alt-Gesang, Elegie und Dufflecoats dafür, dass die Nordengländer bislang eher als wunderliche Kunstpopper wahrgenommen wurden. Ihr fünftes, von John Congleton (St. Vincent, Franz Ferdinand, Marilyn Manson, Brian Wilson usw. usf.) in Dallas aufgenommenes Album steuert diesem Eindruck nun allerdings entschlossen entgegen.

Die bis zur Verzerrung hoch ausgesteuerten Riffs aus Gitarre und Synthesizer stehen meist für sich allein, der oft auch synthetische, stumpfe Bass pumpt wie in der Industrial-Musik, die im gesamten Sounddesign Vorbild ist. Und ein so kantiges, fast martialisch anmutendes Schlagzeug kennen wir auch von Bands wie Foals oder Battles. Der Funk kommt fast zwangsläufig mit der Reduktion.

Könnte sein, dass diese so eindeutige und aggressive Platte vor allem ein männliches Publikum für sich gewinnen kann. Kann sogar sein, dass die Band genau das im Sinn hatte für BOY KING, das sich in der Hauptsache mit dem Thema Männlichkeit beschäftigt: der Krise männlicher Identitäten, dem Mannsein als Makel, den Irrsinn, den das männliche Selbstermächtigungssystem Kapitalismus in seinen letzten Tagen verbreitet, und mit Trieb und Macht sowieso. Könnte aber auch sein, dass der Soul und der Popappeal, der trotzdem in dieser Platte steckt, und dieses einzigartige Stimmenpaar Hayden Thorpe und Tom Fleming dafür sorgen, dass „richtige“ Männer lieber weiterhin Sicherheitsabstand halten zu den Wild Beasts.

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