Zugezogen Maskulin Alles brennt


Buback/Indigo

Schön ist das nicht, wenn ALLES BRENNT. Wenn am 1. Mai in Kreuzberg die Steine fliegen, wenn sich Punks mit Polizisten prügeln, wenn Drogen missbraucht werden, wenn auch noch die blöden Nebenwidersprüche an einem nagen. Nein, schön ist sie nicht, diese Welt, die Zugezogen Maskulin – nach diversen EPs – auf ihrem ersten Album beschreiben. In kräftigen, ungehobelten Raps erkunden Testo und Grim104 die Untiefen zwischen dem Anliegen, „den Staat zu zerschlagen“, und dem Ansinnen, trotzdem das Kindergeld abzukassieren, um zu dem Schluss zu kommen: „Egal, wie viele Flaschen wir schmeißen – es ändert nichts, egal wie hart wir pogen – die Welt behält ihr Gleichgewicht.“

Zugezogen Maskulin zitieren neuerdings zwar Karl Marx, haben aber dafür den spitzfindigen Humor, der schon aus ihrem sich auf die legendäre, aus Kool Savas und Taktloss bestehende 90er-Jahre-Rap-Crew Westberlin Maskulin beziehenden Namen spricht, weitgehend eingebüßt. Kein Wunder, beobachten sie in ihrer Heimatstadt Berlin sowohl Flüchtlingspolitik („Oranienplatz“) als auch Gentrifizierung („Endlich wieder Krieg“) aus nächster Nähe. Nur folgerichtig zielen die harten, eckigen, schwer schleifenden Beats nur im Notfall auf die Tanzfläche, sind die Raps nicht auf der Suche nach dem eleganten Flow, finden aber zum Grölen taugliche Parolen. Es ist, so wissen Zugezogen Maskulin selbst, „ein Soundtrack zum Alles-in-die-Tonne-Treten“.


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