Interview

Roland Meyer de Voltaire: „Ich empfinde es als Vergeudung meiner Zeit, anderer Musik 1:1 nachzueifern“

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Roland Meyer de Voltaire wurde mal der große Durchbruch prophezeit. Mitte der Nullerjahre war das: Der Vollblutmusiker aus Bonn hatte eine Band gegründet, Voltaire hieß sie, fast wie er. Sie spielten Rockmusik, wie es sie in Deutschland so zuvor nicht gab: Beeinflusst vom künstlerischen Anspruch und dem Sound britischer Größen wie Radiohead und Muse, schufen Voltaire eine Art Blumfeld-inspirierten Postrock. Kraftvoll, dynamisch, mal minimal, mal maximal, emotional, mit deutschen Texten abseits der gefühligen Belanglosigkeit, die Jahre später so durch die Heavy Rotations dieses Landes dudeln würde. 2004 brachten Voltaire ihre erste EP (FLUT EP) raus, 2006 kam das Major-Debüt HEUTE IST JEDER TAG, 2009 dessen Nachfolger DAS LETZTE BISSCHEN ETIKETTE. Bloß: Der Durchbruch fand nie statt.

Von diesem scheinbaren Aufstieg, dem Fall und dem Wiederauferstehen des Sängers, Songschreibers und Multiinstrumentalisten Roland Meyer de Voltaire erzählt die fünfteilige und insgesamt 231 Minuten lange Doku „Wie ein Fremder – Eine deutsche Popmusik-Geschichte“ von Filmemacher Aljoscha Pause („Tom Meets Zizou“, „Being Mario Götze“). Ein von 2014 bis 2019 gefilmtes Langzeitprojekt, das nicht nur viel über ein prekäres Künstlerleben preisgibt, sondern auch Mechanismen, Versprechen und Irrwege in der Popbranche aufzeigt. Zu Wort kommen neben De Voltaire und ehemaligen Mitgliedern andere Acts wie Madsen, Megaloh, Desiree Klaeukens, Enno Bunger und Schiller, Musikjournalisten wie Linus Volkmann und Joachim Hentschel, Branchenvertreter wie sein späterer Manager Steffen Gottwald, Booker und Produzenten. Im Sommer 2020 erschien „Wie ein Fremder“ auf DVD und Blu-ray, seit 1. Oktober ist die Doku außerdem auf Netflix im Stream zu sehen.

Wir haben den heute in Berlin lebenden, aktuell bei seinen Eltern weilenden De Voltaire angerufen und ihn gefragt, wie es sich so anfühlt, plötzlich eine Art Serienstar zu sein, warum es wirklich mit Voltaire scheiterte, ob er Bock auf eine Reunion hätte, warum ihn die Coronakrise nicht zu hart trifft, was er mit seinem aktuellen Projekt Schwarz von Electro-Musikern wie Moderat und Jon Hopkins lernen kann und will – und warum Rockmusik 2020 nicht unbedingt besser wird, weil sie vermehrt von Frauen kommt.

Musikexpress.de: Als die Dreharbeiten zur Doku über Dich begannen, war nicht abzusehen, wie es mit Deiner Musikkarriere weitergehen würde. Was war die Prämisse zu Beginn?

Roland Meyer De Voltaire: Der Regisseur Aljoscha Pause ist jemand, der viel Erfahrung hat, ergebnisoffen an Geschichten heranzugehen. Man schaue sich nur seine Fußballdokus an. Eine wurde sogar über einen Zeitraum von acht Jahren gedreht. Da gab es auch Momente, in denen kein Abschluss in Sicht war. Der Plan lautete: Wir erzählen die alte Voltaire-Geschichte, und irgendwie geht da gerade was Neues los bei mir, da schauen wir mal. Er hatte viel Vertrauen, dass wirklich etwas passiert. Erfreulicherweise behielt er recht.

Klingt nach Druck für Dich.

Bei mir war es eine Mischung aus Mut der Verzweiflung, aber auch irgendwas in der Hand zu haben, mit dem ich losgehen kann. Alles kam anders, als wir es erwarteten. Auch mein Album sollte früher erscheinen. Das war unsere Zäsur: Wir drehen, bis es kommt. Anfangs dachten wir an einen Zeitraum von zwei Jahren. Dann dauerte es länger, aber unser Ende war ja eh offen.

Die Filmidee war demnach die des Regisseurs.

Absolut. Ich bin überhaupt nicht der Typ, der mit sowas um die Ecke kommt.

Genau so wirkst Du in der Dokuserie auch.

Ich hätte dieser Idee auch nicht zugesagt, wenn sie von jemand anderem gekommen wäre. Es braucht ein Vertrauensverhältnis. Ich rede zwar immer relativ offen, wenn mich jemand fragt. Aber ich will nicht jeden an meine Familie und mein Umfeld ranlassen.

Welche Sorgen waren abseits davon Deine größten?

Mir war klar, dass ich auch Unschmeichelhaftes zeigen muss. Wenn ich mich auf so ein Projekt einlasse, muss ich konsequent sein. Alles andere mag ich selbst nicht gucken. Ich finde Dokus komisch, in denen spürbar viel weggehalten wird. Ich fragte mich: Kann ich das? Kapieren die Leute das richtig? Was kommt zurück? Wird schon, dachte ich. Bei allem Optimismus musste ich mich danach ständig fragen: Wohin läuft die Geschichte eigentlich? Dass Aljoscha die Zeit und Arbeit investiert, glich für mich einem Vertrauensvorschuss. Außerdem wollte ich in meinem Leben dringend etwas ändern und weiterkommen. Auch dafür spürte ich ein Verantwortungsgefühl. Eines für mich.

Du berichtest in „Wie ein Fremder“, dass Du zeitweise nicht wusstest, wie Du Deine Miete zahlen und wo Du überhaupt wohnen sollst. Schlimmstenfalls hättest Du heute auch unter der Brücke liegen können.

Naja. Das Schlimmste, was hätte passieren können, ist, dass ich alles abblase. Dass ich den Versuch aufgebe, von der Musik leben zu wollen. Und selbst so eine Entscheidung ist ja völlig legitim, wenn andere sie treffen. Aljoscha hat in mir wohl genug Trotzigkeit gesehen, dass was passieren wird. Ich wollte und spürte das trotz der Rückschläge auch. Spätestens als ich Steffen (Gottwald, Management, Anm.) kennenlernte, nahm alles seinen Lauf.

Die Dreharbeiten haben Dein Leben also nicht nur dokumentiert, sondern auch verändert?

Ich würde das nicht überbewerten. An manchen Tagen war der Film meine Motivation, das schon. Vielleicht hat der Dreh auch Leute in meinem Umfeld motiviert und positiv beeinflusst, das weiß ich nicht. Für die wichtigsten Leute, mit denen ich in den vergangenen Jahren gearbeitet habe, war das aber nicht allzu relevant.

Wir sehen in der Doku einem Helden zu, der aufsteigt, fällt und sich wieder berappelt. Fühlt sich für Dich die Story Deines Lebens auch so märchenhaft an?

Absolut. Das Leben geht immer weiter. Es gab immer Erfolge und Misserfolge. Wir wogen stets ab, was rein muss und was nicht. Bei meiner jetzigen Situation müssen wir auch auf die aktuelle Corona-Lage gucken. Und in der fühle ich mich sehr privilegiert. Weil ich ein Musikprojekt habe, an dem ich gerne arbeite. Weil ich jenseits dessen aber auch schöne musikalische Dinge angehen kann, die glücklicherweise unabhängig von den aktuellen Umständen funktionieren. 

Du kannst also weiterhin von der Musik leben?

Ja, und das bereits seit einigen Jahren. 

Das können nicht viele von sich behaupten.

Eben. Und gerade jetzt: Ich kenne viele Leute, die eigentlich von ihrer Musik leben konnten, nun aber arg ins Schwimmen geraten. Die durch Netze fallen. Zu denen gehöre ich nicht. Dafür bin ich sehr dankbar. 

Szene aus „Wie ein Fremder“: Roland Meyer De Voltaire bei seinem ersten Auftritt als Schwarz in Berlin

Du bist also auf Liveshows nicht angewiesen, weil Du Musik für andere schreibst und produzierst? 

Ja und nein. Mit Schwarz konnte ich im Februar die Tour zu Ende bringen. Klar, ein paar Gigs wurden abgeblasen. Aber jetzt wäre eh die Zeit gewesen, in der ich mich zurückziehe, neue Stücke schreibe und rausbringe. Da bin ich dran. Ich produziere auch weiter, mache Filmmusik, schreibe ein bisschen für andere. Alles Dinge, die unabhängig davon realisierbar sind, dass es gerade keine Veranstaltungen gibt.

Für wen schreibst Du, darfst Du das sagen?

Im Moment nicht, nein. Es wird viel probiert. Was am Ende rauskommt, wird zu sehen sein.

Wie fühlt sich das an, plötzlich Hauptdarsteller einer Netflix-Serie zu sein, in einer Ahnenreihe mit Walter White und Co. zu stehen? Ich nehme an, es gab darauf deutlich mehr Feedback und Anfragen als auf den Release im Sommer selbst?

Die Doku hatte schon zum Release erstaunlich viel Presse. Mit einem „Spiegel Online“-Interview zum Beispiel hatte ich damals nicht gerechnet. Natürlich aber merken wir, dass man mit einer Plattform wie Netflix nochmal viel mehr Leute erreicht. Das Besonderste daran für mich und was mich von Walter White unterscheidet: Auch enge Freunde bestätigten mir, dass ich in der Doku so rüberkomme, wie ich wirklich bin. Dass darauf so viel so positive Reaktionen kommen, finde ich krass. Das berührt mich sehr und gibt mir Kraft. Zumal man als Musiker gerade ja keinen anderen Zuspruch, zum Beispiel in Form von Applaus auf der Bühne, kriegen kann. In der Doku wiederum sieht man Dinge, die ich nie mit auf die Bühne nehmen würde. Es hat was Verbindendes, wenn Menschen mir schreiben, dass sie motiviert, wie ich meinen Weg gehe.

Unser Kollege Linus Volkmann, der auch in Eurer Doku zu Wort kommt, schrieb in seiner Popkolumne, wie krass interessant er Dich seitdem findet – vielleicht sei es aber bloß ein Stockholm-Syndrom.

(lacht)

Ich hingegen nehme Dich in der Doku im positiven Sinne als stinknormal wahr. Als jemanden, mit dem man auch ein Bier trinken gehen könnte. Als einen, der eben nur mit einem krassen Talent gesegnet ist und mit Durchhaltevermögen, vielleicht aber auch aus der Not der Alternativlosigkeit eine Tugend macht. Und: Du wirkst wie jemand, der eigentlich gar nicht im Mittelpunkt stehen will und es über seine Musik aber doch tut. Gibt es also doch zwei Roland Meyer De Voltaires?

Es gibt zwei Seiten von mir: Bekannte, die mich auf Konzerten sahen, waren von der Spanne irritiert zwischen meinen introvertierten Ansagen und meiner Extrovertiertheit, wenn ich singe. Das ist meine Form des Ausdrucks, ich brauche das so. Ich glaube aber, das geht vielen Bühnenpersonen so. Aus Gründen zeigen sie dir eine Seite nicht. Es gibt Künstler, die sich mit einer unnahbaren Aura auf die Bühne stellen und wenig oder nichts sagen. In der Musik sind. Sie sind vielleicht gar nicht so abgehoben, sondern eher so wie ich. Sie haben keinen Bock, sich nach außen darzustellen, weil es doch um die Musik geht. Weil dieses Bild nicht irritieren soll.

Du wirkst außerdem wie einer, der gar nicht in diese Popbranchenwelt reinpasst, aber doch mitmacht. Weil man muss, um mit seiner Kunst über die Runden zu kommen. Kommt nur mir das wie ein Kompromiss vor? Fühlst Du Dich wirklich nicht wohl in dem Popzirkus?

Es gibt Seiten, mit denen ich mich nie sonderlich wohlfühlen werde. Mit Social Media zum Beispiel hadere ich oft sehr. Überhaupt mit visueller Erscheinung. Ich will mich nur mit meiner Musik beschäftigen, weiß aber auch, dass mich die Beschäftigung mit dem Unliebsamen freier in dem macht, was ich liebe. Das unterscheidet mich von Leuten, die wirklich extrovertiert und Ego-getrieben sind, die dir ihr Ding aufdrücken wollen. Der Hauptgrund, warum ich gerne alleine arbeite, ist, dass ich mich sammeln muss. Rausfinden, was ich möchte. Manche Leute behaupten, ich sei beratungsresistent. Aber es gibt zu allen Entscheidungen unterschiedliche Standpunkte unterschiedlicher Menschen, die mir alle was anderes raten. Beratungsresistent? Ich gebe lediglich der einen Seite nach, der anderen aber nicht. 

Und die denken dann, Du hörst nie auf sie.

Genau. Und weil das so ist und weil, wie Linus im Film ja auch so schön sagt, niemand die Weisheit mit Löffeln gefressen hat, gibt es bei mir immer wieder Momente, in denen ich mich lieber zurückziehe. Klar, wenn es die Erfolgsaussichten erhöht, dass ich eine Strophe aus dem Song rausschneide, dann kann man darüber reden. Aber am Ende bleibt meine Prämisse: Ich muss hinter dem stehen können, was ich mache. Sonst hat es keinen Wert. Und wenn eh niemand weiß, was funktioniert und was nicht, kann man doch auch einfach machen, worauf man Bock hat.

Ist das ein Grund, warum der prophezeite Durchbruch von Voltaire nie kam? Weil Du das Spiel nicht ausreichend mitgespielt hast?

Bei Voltaire kamen verschiedene Dinge zusammen. Die eine Antwort gibt es nicht. Die Bandkonstellation war schwierig. Wir haben so viel reingesteckt und hatten entsprechend viel Druck. Was uns gut machte, war die Kompromisslosigkeit. Zu machen. Alles hinten anzustellen. Sich zu verschulden. Deshalb fing es aber auch an zu bröckeln, als wir merkten: Das hier funktioniert so doch nicht. Alles Hintenangestellte schlug auf einen ein, als wir merkten, es kommt nichts zurück. Damit meine ich nicht mal Geld. Eine gut besuchte Tour wäre schon schön gewesen. Eine Fanbase, auf der man aufbauen kann. Ein anderer Grund war der unglückliche Zeitpunkt: Unser erstes Album kam 2006 inmitten der Fußball-WM in Deutschland raus, als alle mit anderen Dingen beschäftigt waren…

… oder die Sportfreunde gehört haben.

Die wollte ich jetzt nicht nennen! Dann fragt man sich Fragen wie die, ob man eine andere Single hätte nehmen sollen. Beim zweiten Album war es von meiner Seite aus schon zu verbissen. Im Nachhinein hatte ich das Gefühl, dass ich mir darauf meinen Frust anhöre. Ich kann das bis heute teilweise schwer hören. Wenn du mit einer Grundunsicherheit klarkommen musst und dann kommen noch andere Faktoren dazu, die es noch schwerer machen, geht einem irgendwann die Puste aus.

Es fielen und fallen Vergleich mit Radiohead und Muse. Britische Einflüsse, aus denen Du selbst keinen Hehl machst. Eine Band ist da, wenn sie da ist. Dennoch: Wäre der Bock der potentiellen Käufer*innen Eurer Musik größer gewesen, wenn Ihr früher da gewesen wärt? Andererseits schwappte ja Mitte der Nuller auch eine neue Indierockwelle rüber.

Deutschsprachige Musik ging damals, während unserer Zeit, gerade erst auf Kurs. Das gab es so vorher nicht. Mit den Bands vom Label Grand Hotel Van Cleef fing das kurz vorher an, aber davor kam lange nichts. In den 90ern gab es Die Sterne, Blumfeld, Tocotronic. Aber deren Musik hatte nur bedingt was mit unserer zu tun. Es gab dafür lange kein Forum. Klar, vielleicht wäre es anders verlaufen, wäre unser Album früher erschienen, so wie wir es ja ursprünglich geplant hatten. Was ein bisschen dafür sprichst, was du sagst: Die EP, die 2004 rauskam, lief deutlich besser. Deswegen hatte uns Universal ja machen lassen. Und uns als neue Majorband keinen Druck gemacht, Hits abliefern zu müssen.

Ob aus dieser Chance also ein Fluch wurde, bleibt zu spekulieren.

Ab einem gewissen Punkt muss man solche Gedanken ruhen lassen. Sonst kommt man im Leben nicht weiter.

Langfristig war es Dein Schaden nicht. Du hast mit Schwarz Dein neues Ding gefunden. Fühlt sich das so richtig wie damals eine Band an – oder wie ein Projekt, dessen Abschluss Du in bestimmter Zeit absehen könntest?

Lustigerweise stimmt beides nicht. Schwarz ist genau so ein Herzensding wie Voltaire. Ich habe vor, dass irgendwie immer weiter zu machen. Wie eine Band fühlt es sich nicht an, weil ich viel alleine mache. Das ändere ich aber gerade. Ich fange an mit einer Bildenden Künstlerin, Elena Panouli, Schwarz als eine Art Duo weiterzuentwickeln. Sie macht das Visuelle, ich die Musik. Im Austausch.

Gab es schon Reunionanfragen zu Voltaire wegen der Doku?

Es gab eine Minireunion: 3/5 von uns hatten zur Dokupremiere gespielt. Wir wollen noch ein Event machen, das habe ich mit Hedayet (Keyboard, Klavier, Anm.) und Marian (Gitarre, Anm.) besprochen. Es kommen durchaus mal Menschen mit weiteren Wünschen und Ideen auf einen zu. Man darf niemals nie sagen. Im Moment spiele ich mit den beiden sehr gerne ein paar Voltaire-Stücke. Ob ich für eine Reunion zu begeistern wäre, mit allem, was dazu gehört, ganzer Band, Studio, Tour? Weiß ich nicht. Einige Dinge müssten gut zusammenkommen. Vielleicht kommt das mal.

Wäre das Thema Rockband für Dich abgesehen von Voltaire jemals wieder ein Thema? Du hast es durchdekliniert – und Rockmusik ist auch nicht mehr state of the art.

Schon als ich Voltaire gründete, hat mich Rock nicht mehr irre interessiert. Deswegen haben wir das ja so gemacht, wie wir es gemacht haben. Damals kamen all diese The-Bands auf. Ich habe mir das mit Unverständnis angeguckt. Egal, wie toll das gemacht war – ich dachte: Es gibt so viel Musik. Jeder soll machen, was er will. Ich empfände es aber als krasse Vergeudung meiner Zeit, irgendwas 1:1 nachzueifern. Klar habe ich ich auch Referenzen für meine Band, niemand erschafft etwas in einen leeren Raum hinein. Aber ich wollte meiner Musik immer meinen eigenen Stempel aufdrücken. Alles andere macht keinen Sinn für mich, weil es das schon gibt. Das war schon damals mein Problem mit Rock. Wenn irgendwann neue Impulse kommen, die ich noch nicht kommen sehe, dann interessiert es mich vielleicht wieder. Aber es gibt noch ein anderes Problem: dieses betont Maskuline. Fand ich als Teenager cool, seitdem finde ich es doof.

Gerade heute gibt es doch zum Glück viele gute Rockbands, in denen überwiegend oder nur Frauen spielen.

Das finde ich für sich genommen auch total gut. Aber wenn es dann genau so klingt wie das, was Männer vorher gemacht haben, verstehe und respektiere ich das, supporte es aus einer ideelen Perspektive heraus – künstlerisch und inhaltlich interessiert es mich trotzdem nicht.

Welche Koop würde Dich reizen? Ich zum Beispiel würde Deine Stimme gerne mal in einem Moderat-Track hören.

Bis vor einer Weile hatte ich von elektronischer Musik wenig Ahnung. Mich faszinierte sie aber immer wieder mal, von Goldies Debüt bis The Prodigys „The Fat Of The Land“ bis zu Justices erster Platte. Ich musste mit Schwarz erst lernen, elektronische Musik zu produzieren. Auf dem Weg dahin entdeckte ich viel Zeug von Leuten, die damit von Anfang an so verbunden waren wie ich früher mit einer Gitarre. Moderat, Apparat, Jon Hopkins. Von denen kann ich viel lernen. Mit ihnen Kaffee trinken und über Musik reden wäre schon viel wert, Musikmachen umso toller. Woodkid finde ich auch toll. Ich lerne immer gerne von Leuten, die andere Dinge können als ich.

„Wie ein Fremder – Eine deutsche Popmusik-Geschichte“ ist am 5. Juni 2020 erschienen. Seit 1. Oktober 2020 bei Netflix im Stream verfügbar. 

Roland Meyer de Voltaire veröffentlichte unter dem Namen SCHWARZ 2019 sein Album WHITE ROOM.

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