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Sexistische Volldeppen und ein Hoffnungsschimmer in der Superhelden-Welt

Als ich noch als halbstarkes Würstchen mit lila Brille auf dem Dorfspielplatz herumlief, habe ich mir immer Superheldinnen gewünscht, mit denen ich mich identifizieren kann. Während die Jungs wie Superman mit ausgestreckten Armen von der Schaukel in den Sand flogen, blieb mir nur Barbie in ihrem Malibu-Traumhaus, das vermutlich ihr Macker Ken abbezahlt hatte. Damals konnte ich mich weder mit dem einen noch mit dem anderen so richtig anfreunden.

Dabei gab es bereits Superheldinnen, die wohl dafür gedacht waren, diese Lücke zu schließen. Catwoman, Batgirl und Superwoman kamen mir aber schon damals wie ein mieser Abklatsch vor – ein dumpfer Sidekick, der letztlich nur dazu diente, die Story des Supertypen zu ergänzen und die Fantasien der männlichen Zuschauer anzuheizen. Ihre Heldenrolle war so eindimensional gestaltet, dass man gar nicht anders konnte, als sich gelangweilt von ihnen abzuwenden.

Dabei ist gegen Spandex-Helden wie Spider-Man, die ihre Großmutter oder Freundin von einstürzenden Gebäuden pflücken, nichts einzuwenden – außer – das denke ich heute –, dass es immer die Frauen zu sein scheinen, die sich in größter Not nicht zu helfen wissen. Darauf zu warten, dass der Retter in dehnbarer Rüstung noch rechtzeitig zu Hilfe eilt, ist im wahren Leben keine besonders gute Idee. Zu Recht twitterte Gal Gadot, die neue Wonder Women in „Batman v Superman“, deshalb kürzlich, dass sie sich mehr Superheldinnen wünsche. Obwohl auch sie – wenn wir mal ehrlich sind – neben den beiden männlichen Hauptcharakteren eindeutig den Kürzeren zieht.

Wie weit es selbstbestimmte Superheldinnen tatsächlich in Hollywood gebracht haben, erklärten uns 2015 die Avengers-Schauspieler Jeremy Renner und Chris Evans auf eindrucksvolle Weise: Während eines Promo-Interviews outeten sich Hawkeye und Captain America ganz nebenbei als sexistische Volldeppen. Black Widow (gespielt von Scarlett Johansson) sei die Schlampe des Rudels, hieß es damals, weil sie sich schließlich mit mehreren Männern aus der Gruppe einlasse. Zur Erinnerung: Bei Iron Man Tony Stark finden wir Promiskuität natürlich absolut in Ordnung.


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So mag Marvel seine weiblichen Helden: im hautengen Outfit.
So mag Marvel seine weiblichen Helden: im hautengen Outfit.

Früher wie heute muss sich Hollywood zudem mit dem Vorwurf herumschlagen, Superheldinnen der Zuschauerzahlen wegen in knapper Unterwäsche kämpfen zu lassen – unnötige Sexualisierung verhindere die Entwicklung ernst zu nehmender Superheldinnen-Formate. Enge Tops sind beim Fliegen und Verkloppen von Bösewichten bestimmt nicht sonderlich förderlich; trotzdem herrscht in dieser Hinsicht meines Erachtens doch relative Gleichberechtigung. Die Outfits männlicher Superhelden sind schließlich genauso überzeichnet und dürften nur wenig mit der tatsächlichen Durchschnittsstatur eines Comic-Fans zu tun haben. Beleidigt wegen so viel karikierter Perfektion und fleischlicher Zurschaustellung müssten wir also alle sein.

Heute gibt es die Superheldin, die ich mir als Kind gewünscht habe. Sie trägt Lederjacke, Jeans und Hoodie, sie flucht, rollt mit den Augen und lässt sich keinen Scheiß gefallen – auch wenn sie erst einmal lernen musste, sich nicht länger von anderen das Leben diktieren zu lassen. Mit Jessica Jones hat Marvel den Fokus auf eine unperfekte Protagonistin gelegt, die mehr als nur ein sexy Accessoire ist, die begriffsstutzigen Leuten auch mal gehörig den Hintern versohlt.

Dabei muss sie nicht einmal den Feministen-Hammer schwingen – weil sie sich einfach holt, was ihr verdammt nochmal zusteht. Manche Superhelden-Geschichten, insbesondere die für Mädels, schreibt das Leben selbst.

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