Stealing Sheep: die heißesten Newcomer Liverpools

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Stealing Sheep sind schnell. Sehr schnell. Zwei Singles und eine EP hat die Band im ersten Jahr ihres Bestehens bereits veröffentlicht. Daneben waren die drei Musikerinnen unaufhörlich auf Tour – und das, obwohl sich Becky Hawley, Emily Lansley und Lucy Mercer bei der Bandgründung im Sommer 2010 gerade erst getroffen hatten: „Als wir begannen, mit­einander zu spielen, waren wir Fremde. Wir machten uns auf musikalischer Ebene vertraut, bevor wir einander als Menschen kennenlernten“, sagt Keyboarderin Hawley.

Von Anfang an funktionierten Stealing Sheep als kreatives Kollektiv ohne Bandleaderin. „Beim Songschreiben haben wir uns immer von derjenigen führen lassen, von der das jeweilige Stück kam“, sagt Hawley. „Heute schreiben wir eher als Band, aber diejenige, die den Song geschrieben hat, hat bei Entscheidungen immer noch die gewichtigste Stimme.“ Alle drei Mitglieder von Stealing Sheep leben seit einiger Zeit in Liverpool, der Stadt, die immer noch am bekanntesten dafür ist, in den Sechzigern vier adrett gekleidete junge Herren mit Pilzfrisuren hervorgebracht zu haben. Mit den Beatles verbindet Stealing Sheep aber nicht nur ihr Wohnort: Als Studentin des Liverpool Institute of Performing Arts erhielt Hawley Tipps vom Gründer der Schule, Sir Paul McCartney höchstselbst. „Er hat mir mit ein paar Akkordfolgen geholfen und mich gelehrt, wie man einen Song enden lässt“, erinnert sie sich. „Das Komische ist, dass ich gar nicht darüber nachgedacht habe, dass er berühmt ist, bis ich es meinen Eltern erzählte. Erst ihre Reaktion hat mir vor Augen geführt, dass das wohl doch eine große Sache war.“

Neben der Uni jobbte Hawley in einem Shop im Liverpooler Bohemian-Viertel rund um Lark Lane. In der Mittagspause holte sie sich Toast aus dem Café im Erdgeschoss, wo Lansley und Mercer arbeiteten. Bald entdeckten sie ihre gemeinsame Leidenschaft für Musik: „Ich legte im Geschäft manchmal Platten auf. Wir sprachen dann über Musik und spielten uns gegenseitig Sachen vor, die wir aufgenommen hatten“, sagt Hawley. „Wir hörten alle komplett unterschiedliche Dinge, aber wir mochten weiblichen Harmoniegesang – deswegen besteht diese Band jetzt aus uns drei Mädels.“

Die erste Platte von Stealing Sheep ist im Juni bei Heavenly erschienen, jenem Label, auf dem auch die Manic Street Preachers und Beth Orton ihre frühen Werke veröffentlichten. Allerdings klingt Into The Diamond Sun nicht wie ein Debüt, sondern eher wie ein reifes Album, wie es die Fleet Foxes vor einem Jahr statt des einschläfernden Helplessness Blues hätten aufnehmen sollen: Trotz psychedelischer Texturen und der wunderbar harmonierenden Stimmen der drei Musikerinnen bleiben die Folk-Kompositionen kompakt und griffig. „Es ist nicht leicht, die Stücke zu spielen“, bestätigt Hawley. „Sie haben komplizierte Rhythmen und sind musikalisch fortgeschritten, aber sie sollen sich nicht schwierig anhören.“ Paul McCartney darf sich freuen:

Seine Schülerinnen passen im Unterricht offenbar gut auf.


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