That’s live!


Auf einer CD zum Vorfreuen: Die Highlights des diesjährigen Rock am Ring- und Rock im Park-Festivals mit Live-Songs.

Mal ganz ehrlich: Um Sigur Ros, Travis, Norah Jones und Godspeed You Black Emperor zu hören, müssen wir nicht bis zu den Knöcheln im Schlamm stehen.

Metallica, Queens Of The Stone Age, Sum 41, Audioslave und Marilyn Manson heißen die Acts, für die es sich zu zelten lohnt. Kein Nachbar wird die Polizei rufen, wenn im Park und am Ring über drei Tage die Größen des Heavyrocks Wald und Wiesen rocken werden, bis kein Gras mehr wächst. Die von ME präsentierten Sommerfestivals versprechen in diesem Jahr ein bombastisches Ereignis zu werden. Da auch das Alternatent-Programm mit Künstlern wie Absolute Beginner, The Dandy Warhols und Moby äußerst kurzweilig ausfallen dürfte, wird an Pfingsten die ME-Redaktion geschlossen gen Norden pilgern. Damit das Warten nicht zu lang wird, präsentieren wir in diesem Monat eine CD mit zwölf meist exklusiven Live-Tracks einiger der besten Acts von Rock im Park und Rock am Ring. Enjoy! >» www.rockamring.de, >» www.rockimpark.de

Turin Brakes Pain Killer (live) Balsam für die Ohren: Die britischen Ausnahmesongwriter präsentieren auf Tour ihr zweites Album.

Wenig Musiker wären gut beraten, fast zwei Jahre nach ihrem Debüt-Album auf Tour zu gehen, ohne zuvor neues Material zu veröffentlichen. Und trotzdem entschlossen sich Gale Paridjanian und OUy Knights Monate vor Erscheinen der zweiten Turin Brakes-LP ether song, die neuen, völlig unbekannten Songs in England und Irland live zu präsentieren. Alle Konzerte vom Auftakt in Glasgow bis zum doppelten Finale im Sheperds Bush Empire in London haben die

1. Moby

We Are All Made Of Stars (live)

Exklusiver Livetrack des zurückhaltenden Elektronikers, der auf der Bühne zum hyperaktiven Showman par excellence wird.

So intellektuell sich Richard Hall auf seinen inzwischen ruhigen Alben geben mag auf der Bühne kennt man Moby als manischen Entertainer. Bis zur Verausgabung wieselt der Veganer von rechts nach links, zappelt, rockt, fuchtelt und klettert bisweilen gar auf sein Keyboard, um ein halb-ironisches Gitarrensolo im 80ies-Metal-Stil abzufeuern. Wie diese Aufnahme vom 12. Oktober 2002 aus der Berlin-Arena zeigt, umgibt sich der einzelgängerische Elektroniker auf der Bühne mit guten Musikern, was seine Konzerte zu einer äußerst abwechslungsreichen Angelegenheit macht.

2. Marilyn Manson

The Beautiful People (live)

Druckvoller Rock’n’Roll mit allerlei Skandalen: „Alle außer mir werden nackt sein.“

Was seine neuen Live-Shows angeht, spricht der Meister in Rätseln. So deutete er zunächst an, dass siamesische Zwillinge, Wrestling-Kämpfe mit Kindern und andere skandalträchtige Accessoirs die Bühne schmücken werden, um im Interview später wieder zurückzurudern :“Du stellst dir jetzt siamesische Zwillinge auf einer Bühne vor. Vielleicht ist das alles, was aus dieser Idee wird, haha. Aber ich sage nicht, dass es nicht wahr ist. Als Künstler will ich Bilder in den Köpfen entstehen lassen. „Neben Klassikern wie „The Beautiful People“ – hier von der Live-CD „The Last Show On Earth“ – wird es neue Songs von „The Golden Age Of Grotesque“ zu hören und viel unverhüllte Haut zu sehen geben, wie er verspricht: „Alle außer mir werden nackt sein. Inklusive Publikum.“

3. Queens Of The Stone Age

A Song For The Dead (live)

Stoner-Rock in Amsterdam: Livetrack der Metal-Aufsteiger.

Ausgerechnet in der europäischen Stoner-Hauptstadt Amsterdam wurde diese epische Version von „A Song For The Dead“ aufgenommen. Dass Queens Of The Stone Age inzwischen auf den großen Bühnen spielen, versteht sich von selbst – blickt doch keine Alternative Metal-Band der letzten fünf Jahre auf einen derart steilen Aufstieg zurück: „R“ ebnete der Band aus Seattle den Weg, um mit Songs For The Deaf im Sommer letzten Jahres endgültig in den anspruchsvollen Mainstream durchzubrechen. Live werden weiterhin keine Gefangenen gemacht – die Queens rocken am Pegellimit bis die Fingerkuppen bluten, ohne dabei Song-Arrangements und andere Feinheiten aus den rotgeränderten Augen zu lassen. Einen Tag nach Rock am Ring wird Songs For The Deaf mit einer Bonus-CD wiederveröffentlicht, die weitere Ausschnitte aus dem Konzert in Amsterdam enthält.

4. Audioslave

Gasoline (live)

Rarer Live-Track der Alternative-Supergroup, der im Sommer ein Platz auf der Centerstage sicher ist.

Die Rage Again st The Machine-Mitglieder Morello, Wilk und Commerford, die sich nach dem Ausstieg von Zack De La Rocha mit dem Ex-Soundgarden-Sänger Chris Cornell zu Audioslave formierten, hatten bisher noch nicht viele Gelegenheiten, ihr Können live zu präsentieren. Obwohl sie aus rechtlichen Gründen einige US-Shows absagen mussten, fanden sich die Vier aber am 25. November 2002 in New York vor dem Ed Sullivan-Theatre für einen kostenlosen Auftritt – unter anderem mit dieser Version von „Gasoline“ – für Fans und eine auszugsweise Übertragung in der CBS „Late Show with David Letterman“ ein. In diesen Wochen spielen sich Audioslave für ihre deutschen Festival-Auftritte auf einer Australien- und England-Tour warm.

5. The Dandy Warhols

Not If You Were The Last Junkie On Earth (live)

In Sachen Coolness fuhrt auf den Sommer-Festivals an dieser Band kein Weg vorbei.

The Dandy Warhols haben ein paar der besten Songs, die es im Park und am Ring zu hören geben wird („Not If You Were…“, „Bohemian Like You“, etc.), die vielleicht perfektesten Haarschnitte im Rock’n’Roll und wenn nicht eine Stylistin, dann zumindest – ein sicheres Händchen, was die Klamotten-Wahl angeht (man denke nur an die Auftritte von Gitarrist Peter Holmstrom in Unterhemd und Cowboyhut). Die Zeiten, in denen sich Keyboarderin Zia McCabe spätestens zur Zugabe aus dem T-Shirt schälte, um die restlichen Songs barbusig zum Besten zu geben, mögen endgültig vorbei sein – dem Umstand, dass The Dandy Warhols an einem guten Tag fast perfektes Live-Entertainment bieten, tut das keinen Abbruch.

6. Sum41 Still Waiting (live)

Spaßpunk in Perfektion: Die Kanadier sind in ihren besten Jahren.

Was Stevo 32, Bizzy D., Dave Brownso und und Cone in den letzten Wochen auf den europäischen Bühnen veranstaltet haben, hat nicht nur die Erwartungen der Fans übertroffen. Auch kritische ME-Kollegen, die zunächst aus professionellem Pflichtbewusstsein ohne jegliche Erwartungshaltung erschienen waren, torkelten am Ende schweißnass und grinsend durch die Bierpfützen. Wie zuvor Green Day und The Offspring subtrahieren die Kanadier das Politische aus dem Punk, um ein junges Publikum mit rastlosem, spaßorientiertem Schallgewitter zu animieren, den Hallenboden zum Trampolin umzufunktionieren.

7. Surrogat

Hell In Hell (live)

Hamburgs intellektuellste Schweinerocker sind keine Vorband mehr.

Niemand – am allerwenigsten Queens Of The Stone Age – war auf den Orkan vorbereitet, der in den letzten Monaten allabendlich losstürmte, sobald Surrogat die Bühne betraten. Die Queens hatten die Hamburger als Vorgruppe engagiert, überlegten es sich aber bereits nach dem ersten Soundcheck anders. Was nicht verwunderlich ist: Nach Surrogats wahnwitzig explosiven Performances hätte kein Stoner-Rocker der Welt noch einen Blumentopf gewinnen können. Kaum waren Surrogat (auf dem Foto mit Boxer Rene Weller) ausgeladen, organisierten sie ihre eigene Tour, bei der in Köln am 23. Januar diese auf der ME-CD exklusiv veröffentlichte Version von „Hell In Hell“ mitgeschnitten wurde.