The Decemberists in Karlsruhe

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Haltet mich für bekloppt, is okee!, doch ich steh dazu: ich sammle Konzertkarten. Und so war die Freude natürlich groß, als an der Eintrittspforte des Substage, der wohl schon legendär zu nennenden ehemaligen Fußgängerunterführung fast direkt im Herzen Karlsruhes, die hässliche Computer-Karte gegen eine richtig echte Eintrittskarte, so mit Farbe und Design des Tourposters, Schriftzug der Band und so Mätzchen, eingetauscht wurde. In eben diesen Genuss hatte ich nämlich seit geraumer Zeit leider nicht mehr kommen dürfen.Die Vorband namens

Land of Talk, ein Trio mit Gitarre spielender Sängerin, musizierte bereits, als meine beiden treuen Begleiter und ich den Club betraten, so richtig mitbekommen konnten wir jedoch lediglich zwei oder drei Lieder, was mir zu wenig ist, hierzu ein vernünftiges Statement abzugeben. Die kurze Umbaupause nutzte ich natürlich gleich, um mal kurz eine zu rauchen. Jawohl, mein erstes rauchfreies Konzert!! Schön brav rausgegangen bin ich, wie es sich seit neuestem gehört, anstatt anarchistisch frech doch mal „heimlich“ drin eine zu zischen.Aber darum soll es hier beileibe nicht gehen, sondern tatsächlich um den Bericht des Konzertbesuchs einer ungewöhnlichen Band mit dem merkwürdigen Namen

The Decemberists. Vier Männer und eine Frau teilten sich die nächsten (geschätzt) gut eineinhalb Stunden die Bühne. Für eine vollständige Instrumentenaufzählung möchte ich mich übrigens auch nicht verbürgen, zu viele hatten sie dabei. So viele nämlich, dass praktisch jeder Song in ein anderes Instrumentengewand gehüllt werden konnte: Gitarren gab es, natürlich, Bass und Schlagzeug, auch klar, dazu Keyboard, Banjo, Xylophon, Drehleier, Pedal Steel und Kontrabass, die fallen mir jetzt spontan ein. Im Mittelpunkt des Geschehens stand durchweg der Sänger, mit seiner sehr eigenwilligen, meiner Meinung nach jedoch auch hervorragenden Stimme, sowie seiner ausgezeichneten gesanglichen Leistung. Gekleidet in weißem Hemd, schwarzen Hosen und gleichfarbigen Hosenträgern, mit Hornbrille und ein wenig altmodisch anmutender, topfartig geschnittener sowie seitengescheitelter Kurzhaarfrisur, sah er gleichsam ebenso schräg wie normal aus. Die Musik passte hierzu bestens, eine nicht weniger als skurril zu bezeichnende Mixtur, mit Elementen aus Country, Folk, Rock, Pop, Singer/Songwriter, Psychedelik und Klezmer (ja ja, schon gut, letzteres musste ich erst im Substage-Heftchen nachlesen…)Sie begannen, nach ein paar einleitenden Sätzen des Frontmanns zur Begrüßung der etwa dreihundert Zuhörer, für meine Begriffe zunächst recht verhalten, um sich dann aber kontinuierlich während des weiteren Verlaufs zu steigern: mal zurückgenommen, mal tanzbar, mal ruhig und mal rockend, meist mit mehr als einer Prise Melancholie und dabei doch nie verzagend klingend. Die Stücke des Sets – zusammengestellt wohl aus sämtlichen Alben der Band, den Schwerpunkt auf das aktuelle gesetzt – kamen durchweg daher wie aus einem Guss, zeigten immer wieder große Spannungsbögen auf und nahmen häufig überraschende Wendungen. So erzählte sich Sänger und Songschreiber

Colin Meloy


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