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Interview

The Horrors im Interview: „Kraftwerk sind die beste Band aller Zeiten“

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Der Herbst zeigt seine ungemütliche Seite. Die grauen Wolken hängen tief über der Volksbühne in Berlin-Mitte, in der heute Abend das dritte Synästhesie-Festival stattfinden wird. Trotz der eisigen Temperaturen steigt Faris Badwan nur in einem dünnen Ledermantel gegen die Kälte gehüllt aus dem Tourbus. Der Sänger wird mit seiner Band The Horrors als Headliner den heutigen Abend, der der krönende Abschluss der Feierlichkeiten zum 15-jährigen Bestehen des Berliner Nischenlabels 8mm Musik ist, beschließen. Doch zuvor bittet er uns ins Innere, schenkt uns Orangensaft mit Chili-Sauce ein und erzählt uns vom Arbeitsethos der Horrors, deren Debütalbum STRANGE HOUSE vor exakt zehn Jahren veröffentlicht wurde, die Zusammenarbeit mit Adele-Produzenten Paul Epworth für ihr aktuelles Album V und warum für ihn Kraftwerk die beste Band aller Zeiten ist.

Musikexpress.de: In diesem Jahr gebt Ihr nach langer Zeit wieder Konzerte in Deutschland. Zuvor habt Ihr 2014 die Deutschland-Termine Eurer LUMINOUS-Tour zugunsten von Studiozeit abgesagt. Warum wolltet Ihr damals so dringend zurück ins Studio?

Faris Badwan: Ich weiß nicht, ob es die richtige Entscheidung war, weil ich persönlich das Tourleben sehr mag, aber wir wollten dem gängigen Problem der Musikindustrie zuvorkommen und langfristig denken. Zu diesem Zeitpunkt war es für uns wichtiger zurück ins Studio zu gehen und die Band weiterzuentwickeln. Wir hatten das Gefühl, dass dies der Zeitpunkt war, an dem wir unsere kreativsten Ideen umsetzen konnten.

Haben es denn Songs aus diesen Session auf Euer aktuelles Album V geschafft?

Es gibt Ideen aus diesen Sessions, die im weiteren Verlauf zu Songs wurden, die auf unserem aktuellen Album gelandet sind. Doch aus meiner Sicht geht es gar nicht darum, ob diese Sessions fertige Produkte hervorgebracht hat. Die Gruppendynamik ist das wichtigste, um eine Band am laufen zu halten – und da ist es wichtig, sich überhaupt hinzusetzen. Manchmal ist das viel wichtiger, als das Endergebnis.

Warum habt Ihr Euch trotz der anscheinend intakten Gruppendynamik dazu entschieden, das Album von einem externen Produzenten aufnehmen zu lassen? Welche Rolle spielte Paul Epworth für V?

Wir haben zweieinhalb Alben am gleichen Ort, in unserem eigenen Studio in London, geschrieben und aufgenommen. Wir haben dort acht Jahre lang an unserer Musik gearbeitet – das ist eine ziemlich lange Zeit, eine zu lange Zeitspanne, um kreativ zu bleiben. Wir haben uns nie darum bemüht, dass jedes unserer Alben anders klingt, aber wir haben uns immer darum bemüht, die Umstände, in denen sie entstehen, zu ändern. Wenn du es dir zu komfortabel einrichtest, voraussehen kannst, wie die Dinge ablaufen werden: Worin liegt dann der Sinn? Ich bin am besten in dem was ich mache, wenn ich nicht voraussehen kann, was passieren wird. Erst dann bekomme ich den inneren Antrieb, etwas dazu lernen zu wollen.

Es vergehen ganze Monate, in denen ich keine Musik höre – Faris Badwan

Also lag die Idee, in Paul Epworths Studio und unter seiner Kontrolle aufzunehmen, darin, diese bandinterne Bequemlichkeit aufzubrechen?

Exakt. Er war ein wichtiger Störfaktor, eine neue Stimme. Obendrein ist sein Studio hervorragend und er liebt es zu experimentieren. Er ist einfach ein unglaublich talentierter Produzent.

Hat er in Eure Zusammenarbeit irgendetwas eingebracht, was er bei seinen Arbeiten mit Pop-Größen wie Adele und Paul McCartney zu nutzen wusste?

Nein, nicht wirklich. Natürlich hat er die selben Mikrofone genutzt, aber ich verstehe nicht, wie Menschen so etwas hochstilisieren können. Ein Mikrofon ist nur ein weiteres Instrument, also was kümmert es mich, wer vor mir da hinein gesungen hat?

Da hebst Du Dich von einigen Deiner Musikerkollegen ab.

Um ehrlich zu sein konzentriere ich mich während der Produktion nur auf mich selbst. Ich höre auch währenddessen keine Musik. Es vergehen ganze Monate, in denen ich keine auswärtige Musik höre.

Du sperrst externe Einflüsse aus.

Darum geht es gar nicht. In erster Linie geht es mir darum, einen Zwang zu entwickeln, mich nur um meine Arbeit zu kümmern. In meinem Kopf sollte kein Platz für andere Dinge sein. Ich will nicht gestört werden.

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