The Pretenders, Hamburg, Knopfs Music Hall


Es gibt viele Leute, die einem die Konzertsuppe gehörig versalzen können. Die Hauptakteure waren’s in diesem Fall nicht: Chrissie Hynde und ihre vier Begleitburschen lieferten eine in jeder Hinsicht runde Rock-Show ab, Einzelheiten später. Vielleicht ein Gehörgeschädigter hinter dem Mischpult? Auch nicht: Der Sound kam für ein Konzert dieser Größenordnung geradezu gestochen scharf.

Doch leider zieht eine Band wie die Pretenders auch einige Rock n‘ Rollidioten an. die einem mit glimmender Zigarette vor dem Gesicht herumfuchteln, in hohem Bogen Bier verschütten und bei jeder noch so unpassenden Gelegenheit die Faust recken. Pech nur. daß ein ausverkauftes „Knopfs“ kaum Ausweichmöglichkeiten bietet. Schließlich gibt man die mühsam ergatterten 75 Quadratzentimeter, die wenigstens einen spärlichen Blick aufs Bühnengeschehen ermöglichen, selbst bei Gefahr für Leib und Leben nicht so ohne weiteres auf.

Doch zur Musik: „Room Füll Of Mirrors“ und eine noch gitarrenlose Bauten auf die Brillianz ihrer sieben Mit-Musiker: John Taylor (I.) und Simon Le Bon

Chrissie eröffnen einen Set, der ältere Klassiker und neueres Material bruchlos und gut getimed unter einen Hut bringt. Sie ist eindeutig die Chefin auf der Bühne, aber klug genug, auch einem der Herren mal das Rampenlicht zu gönnen, wovon besonders Gitarrist Robbie Mclntosh profitiert. Der dankt es ihr mit prächtig aufgelegtem Spiel und bricht mit seinem „Private Life“-Solo das ohnehin nur dünne Eis zum Publikum.

Die Vergangenheit holt Chrissie immer wieder ein. auch ganz gewollt: „Kid“ widmet sie den verstorbenen Pretenders-Mitgliedern Farndon und Honeyman-Scott. und selbst „Stop Your Sobbing“ ist, gottlob, noch nicht vom Programmzettel verschwunden.

Die letzte halbe Stunde, eingeleitet von einem wütend rausgerotzten „Bad Boys“, läßt kaum Zeit zu verschnaufen, sieht man mal davon ab, daß sie uns nach „Precious“ allzu lange auf den Zugabenteil (mit. natürlich. „Don’t Get Me Wrong“ oder sogar „Brass In Pocket“) warten läßt. Gefallen hat es ihr trotzdem. O-Ton: „Fucking brilliant“.