The Singles


Bekanntermaßen ist Joe Goddard der andere bei Hot Chip, also der, der nicht Alexis Taylor ist. Der Titeltrack der EP „Gabriel“ (DFA) kommt housig, vorwärtsdrängend wie ein besserer Hot-Chip-Song, dazu gibt es Gastvocals von Valentina (wtf?), R’n’B-ig gefärbt und gerade bis zur Erträglichkeitsgrenze mit Autotune hergestellt. Die Dub-Version kommt eine Spur elektronischer und Acid-lastig. R’n’B-Vocals auf DFA-12-Inches, das – wie wir später sehen werden – scheint ja das neue Ding zu sein.

Der immer noch mysteriöse Klaus mit seinem Debütrelease, und das auf dem wiedererstarkten belgischen R&S-Label. Klaus, so viel wissen wir, ist ein junger Londoner Musiker mit einer klassischen Ausbildung. Die „Tusk EP“ (R&S/Alive) enthält vier Tracks, die in ihrer Konstruktion und Ausführung (die Zerhacktheit ambienter Soundscapes und Vocals, schwere Bässe) an die frühen Werke von James Blake und an Mount Kimbie erinnern.

Gut, dass auch Spätsiebziger/Frühachtziger-Avant-Art-Zeugs zurückkommt. Und zwar in Form von Erleen Nada aus San Diego. Auf ihrer Debütsingle „Peachy Keen“ (Destination Pop) gibt’s zu No-Wave-Avant-Synthpop den Sprechgesang der Künstlerin. Anhaltspunkte: Lydia Lunch, Danielle Dax, Toyah, Lene Lovich. Den „Cowbell Song“ auf der B-Seite mit den Acid-quietschenden Synthlines finden wir noch besser. Wie immer auf Destination Pop: 7-Inch-only, sau-limitiert (200 Stück).

Die jüngsten Veröffentlichungen von The Juan MacLean waren ja nicht gerade unhousig. Trotzdem hat der Mann jetzt das Nebenprojekt Peach Melba gegründet, mit dem er eine Reihe von 12-Inches veröffentlichen will, die zu housig für sein Hauptprojekt sind. „Can’t Let Go“ (DFA) ist ein Tribut an den klassischen Chicago House und das ist auch der orgiastisch-exaltierten Stimme von Amy Douglas zu verdanken. Der zugehörige „Dub“ entkernt das Original ein bisschen und der „Dub Of Dub“ noch viel mehr – klingt wie middle-old-schooliger Minimal House.

Wir erinnern uns: Pylon, vergessene Band aus Athens, Georgia, der Hauptstadt des Alternative Rock und von R.E.M., vor ein paar Jahren durch zwei Albenrereleases von James Murphy wieder an die Öffentlichkeit gezerrt. Und jetzt das: die Single „Cover + Remix“ (DFA). Auf der A-Seite der 7-Inch legen Deerhunter eine scharfkantige Coverversion der 1979er-Pylon-Single „Cool“ hin. Auf der B-Seite gibt es den „Calvinist Unsaved Mix“ des Album-Tracks „Yo-Yo“, der dem visionären Original einen maschinellen Beat und ein paar hübsche Verzerrungen unterjubelt.

Der dritte Teil der EP-Reihe mit Remixen des Radiohead-Albums The King Of Limbs: „Feral / Morning Mr Magpie / Separator“ (XL/Beggars/Indigo). Es beginnt stark mit dem Lone-Remix von „Feral“, aber der Höhepunkt kommt drei Tracks weiter, wenn Four Tet aka Kieran Hebden „Separator“ in die Mangel nimmt und seinem Ruf als Mr. Allesrichtigmacher wieder einmal gerecht wird. Hebden zieht den Song einfach rüber auf Four-Tet-Territorium.

Das ist mal wieder ein Projekt, das es in sich hat: Rewards, die neue musikalische Äußerungsform des ehemaligen Chairlift-Gründungsmitglieds Aaron Pfenning. „Equal Dreams“ (DFA) operiert an den Grenzlinien von Synth-, Elektro-Pop und House. Was den Sechsminüter zusätzlich zum Hit macht, ist der beseelte R’n’B-ige Gesang von der „kleinen“ Schwester von Beyoncé, Solange Knowles, die wir ausdrücklich beglückwünschen zu ihrem Debüt als „DFA recording artist“. Und Devonté Hynes aka Blood Orange aka The Lightspeed Champion spielt Gitarre auf dem 80s-Synthpopper „Asleep With The Lights On“.

Zur Abwechslung unter seinem eigenen Namen unterwegs: Gavin Russom mit „Night Sky“ (DFA). Diesmal ein – nennen wir’s – Psych-Elektro-Rocker, der flirrend unter der heftigen Mithilfe von zahlreichen Percussioninstrumenten nach vorne drängt, während aus einer zeitlupigen Santana-Bluesgitarre tiefe Töne heraustropfen. Und ehe man sich versieht, ist man dann doch in einem Track von The Crystal Ark.

Paul Rose alias Scuba ist nicht nur der Gründer eines der wichtigsten Dubstep-Labels (Hotflush Recordings), er hat es auch verstanden, seine eigene Musik rechtzeitig in eine andere Richtung (Deephouse) zu lenken, und die seiner Labelkünstler fast vollständig vom Dubstep zu entkoppeln (Mount Kimbie). „Adrenalin“ (Hotflush Recordings/Alive) ist die erste Scuba-Single seit dem 2010er-Album Triangulation. Nicht nur der Titeltrack, sondern auch die beiden anderen, entfachen einen nervösen House-Craze, der ganz klar auf die Tanzfläche deutet.