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Warum man den Vergleich von Festivals und Flüchtlingscamps wagen muss

LYON, FRANCE - OCTOBER 23: A woman walks near her tent in an illegal campsite of Albanian asylum seekers, situated under the A6 motorway's Kitchener bridge next to the entrance of the Fourviere tunnel on October 23, 2013 in Lyon, France. A court today ordered the immediate expulsion of the camp of 300 people, including 98 children, who have been camping beneath the highway bridge since July. The interior ministry also said today that it would seek an overhaul of the asylum system. (Photo by Alexander Roth-Grisard/Getty Images)
Ein illegales Flüchtlingscamp im französischen Lyon.

Dabei strahlt die Lage der Unfreiwilligen immer spürbarer auf das Amüsement der Freiwilligen ab – nicht zufällig 2016 auch auf dem größten europäischen Festival. Damon Albarn trat zur Eröffnung des Glastonbury mit dem Syria Youth Orchestra auf. Ihm folgte Rokia Traoré, eine Sängerin aus Mali. Sie betrat die Bühne in einem Kleid, das aus dem Stoff eines ausrangierten Flüchtlingszelts geschneidert war, von der Künstlerin Helen Storey, die ihre Mode als soziale Plastiken begreift. „Wir befinden uns in einer aus dem Boden gestampften Zeltstadt“, stellte Traoré fest. „Und ich trage ein Kleid aus dem Stoff eines UNHCR-Zelts, das einer syrischen Familie monatelang Schutz bot.“ Für diese symbolische Handlung, so Traoré, gebe es keinen passenderen Ort als Glastonbury. Die Beteiligten trugen als Zeichen der Solidarität mit den Flüchtlingen schwarze Armbinden und ermunterten das Publikum, es ihnen gleichzutun.

CALAIS, FRANCE - DECEMBER 01: Migrants contend with wintery conditions in the camp known as the 'New Jungle' on December 1, 2015 in Calais, France. Thousands of migrants continue to live in the makeshift camp in the port town in northern France, where they continue to try and board vehicles heading for ferries or through the tunnel in an attempt to reach Britain. (Photo by Jeff J Mitchell/Getty Images)
Das Flüchtlingslager, der „Dschungel“, in Calais.

So weit, so symbolisch. Aber die Verbindungen zwischen Lager und Lager gingen 2016 über gut gemeinte Rituale hinaus. Der Gedanke kam Liz Clegg, einer der Organisatorinnen von Glastonbury, beim Anblick dessen, was die rund 180.000 Zuschauer nach ihrer Abreise an Müllbergen hinterlassen hatten: Verdammt, das sind viele Gummistiefel!, habe sie gedacht und dann zwei und zwei zusammengezählt. Am Ende zählten Clegg und die anderen Freiwilligen mehr als 500 Gummistiefel, 2000 Regenponchos, viele Erste-Hilfe-Sets und zurückgelassene Zelte – und fuhren sie in den berüchtigten und Ende Oktober geräumten „Dschungel“ bei Calais.

Und es blieb nicht beim Verteilen: Viele der ehrenamtlichen Festivalhelfer setzten ihr Know-how im französischen Flüchtlingslager gleich wieder ein. Zahlreiche Hilfsorganisationen nicht nur in England bemühen sich inzwischen, die problematischen Hinterlassenschaften einer Wegwerf- und Überflussgesellschaft den Bedürftigen zuzuführen. Es ist ja nicht so, dass der Gedanke allzu abwegig wäre.

Alexander Roth-Grisard Getty Images
Jeff J Mitchell Getty Images


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