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Warum uns Caspers neuer Song „Sirenen“ verblüfft

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Disclaimer: Diesen Text schreibt ein bekennender Casper-Fan. Eine Person, die seinen musikalischen Werdegang seit gut zehn Jahren begleitet. Jemand, den die Entwicklung von HIN ZUR SONNE und seinem Bielefelder Hundeleben-Oden, hin zum epochalen XOXO und dem bis dato letzten Werk, dem Erfolgskatalysator HINTERLAND, nachvollziehbar erschien und sich in jedem Moment mit Benjamin Griffey für dessen Fame freute.

Seit einigen Jahren schon ist Casper nicht nur ein kleines Nischenphänomen, nicht mehr der „Emo-Rapper“, der deinen Battle-Rap-Helden in Doubletime zerstört – sondern ein Popstar. Schon nach der Veröffentlichung von HINTERLAND fragte ich mich, was darauf folgen konnte. Die Tria HIN ZUR SONNE-XOXO-HINTERLAND, die Geschichte, wie aus dem notorischen Loser aus Extertal die Stimme einer Generation wurde, war perfekt und abgeschlossen. Casper muss sich weiterentwickeln, die Fans müssen den über seine Dorfjugend sinnierenden Benjamin gehen lassen.

Bereits im vergangenen Jahr veröffentlichte Casper mit „Lang lebe der Tod“ die Lead-Single seines gleichnamigen vierten Albums und zeigte, dass er sich weiterentwickelt. Zumindest irgendwie. Musikalisch ging es auf dem Vorab-Song düster zu, jedoch auch recht monoton. Doom-Doom-Doom-Peng. So in etwa das repetitive Mantra von „LLDT“. Textlich ließ der Track aufblicken, dass es dem Bielefelder Rapper nicht mehr so einfach von der Hand geht. Es ist von Wölfen, die „los“ sind die Rede und was man schon „alles“ erlebt hat. Das „alles“ hat man tatsächlich schon erlebt. Auf XOXO.

Casper vergreift sich mit „Sirenen“ so sehr, dass man sprachlos ist

Vielleicht merkte er das auch selbst. Casper zog den Release zurück und schraubte weiter an der heiß ersehnten Platte. Am 1. September und damit rund ein Jahr später als geplant erscheint LANG LEBE DER TOD jetzt endlich. Bei der letzten Sendung der Pro7-Klamauk-Manege „Circus HalliGalli“ mit Joko und Klaas gab es am Dienstag eine Weltpremiere: Caspers neuen Song „Sirenen“. Die Spannung war groß…

…die Verblüffung noch größer. Casper vergreift sich mit seinem brutal auf Grime produzierten Auf-Die-Fresse-Track dermaßen, dass man noch minutenlang mit offenem Mund dasitzt, unmöglich das gerade Erlebte einzuordnen.

Fangen wir mit der Musik an: Zu hören gibt es das, was Tinnie Tempah etwa anno 2007 machte. Eine alles umnietende Mische aus Dubstep, Drum’n’Bass und Grime. Ein bisschen Gitarre für die Street-Credibility. Das ist gemacht für die großen Festival-Bühnen, aber selbst dort wird der Song nur überleben, weil man zu ihm so schön Pyro zünden kann und sich an Dizzee Rascals bessere Tage erinnern kann.

Caspers „Sirenen“, eine Hommage an Dizzee Rascal?

Apropos Dizzee Rascal. Beim Titel „Sirenen“ sollte es schon klingeln. Vor zehn Jahren fragte Caspers britischer Kollege bereits „Can you hear the sirens coming?“ in – richtig, „Sirens“. Ein Jahrzehnt später heißt es bei „Cas“: „Hört ihr die Sirenen kommen?“. Man kann das natürlich als Hommage sehen. Ein Stilmittel, dem sich Casper gerne und umfangreich bedient, sei es in „Michael X“ (Turbostaat), „Im Ascheregen“ (Kettcar bzw. Slime) oder eben jetzt in „Sirenen“. Denn neben der offensichtlichen Dizzee-Anleihe, huldigt er mit der Zeile „Das bisschen Totschlag bringt euch nicht um“ den großen Goldenen Zitronen.

All das ist jedoch leider auch schrecklich einfallslos. Casper versteift sich darauf, seine Jugendhelden, den Zeitgeist (für den er doch laut „Sirenen“-Text gar keine Zeit hat) und das Überthema des kommenden Albums, den Tod, zusammenzubringen. Es bleibt zu hoffen, dass „Sirenen“ wenigstens etwas Gutes hat und eine Schar junger Menschen zu den Goldenen Zitronen bringt, so wie „Lang lebe der Tod“ den Millenials, die Casper wie ein Rattenschwanz folgen, Blixa Bargeld vorgestellt hat. Darauf erst einmal ein lautstarkes „Hände hoch!“

Casper tritt am Wochenende beim Southside Festival und beim Hurricane Festival auf. Ende Oktober beginnt seine „Lang lebe der Tod“-Tour.

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