Yoko über John


Mit dem Schuß vom 8. Dezember 1980 fand die Ballade von John & Yoko ein abruptes Ende. Was Lennons Witwe heute über den Tod ihres Mannes empfindet, erfahr Karl Lippegaus in einem Gespräch, das kürzlich in Hamburg gefühlt wurde. Einige Ausschnitte:

Die Brille auf dem Cover

„Ich weiß überhaupt nicht, warum mich viele Journalisten wegen des SEASON OF GLASS-Covers mit Johns blutverschmierter Brille so hart angriffen. Dies ist mein Leben – und John hat mein Leben verändert. Und nicht nur mems, sondern auch das Leben von vielen anderen Menschen. Das wollte ich dokumentieren. Als John starb, hatte ich die Wahl, entweder ein Album herauszubringen mit einem schönen Foto von mir – oder aber mit seiner blutigen Brille. Überall kursierten Bücher über John mit Fotosaus der guten alten Zeit: ein grinsender, lächelnder, liebenswerter John Lennon. Aber ich wollte den Menschen zeigen, was wirklich passiert war. Diese Brille war alles, was von ihm übrigblieb! Alles andere wurde verbrannt. Ich glaube, auch John hätte der Welt gerne sagen wollen: ,Hier bin ich. So bin ich jetzt. Schaut mich an‘.“ Über den Tod „Ich weiß nicht, ob ich an die christliche Vorstellung des Schicksals glauben soll Ich weiß nichts über das Schicksal. Ich weiß nur, daß ich noch immer nicht weiß, warum John von uns gehen mußte. Instinktiv glaube ich, daß er noch immer am Leben ist. Er ist nur in einen anderen Zustand übergegangen. John und ich haben oft über den Tod gesprochen. Aber er blieb immer ein Geheimnis. Und das ist er auch heute noch für mich.“

Vertauschte Rollen

„Unser Rollentausch -John als Hausmann und ich als Geschäftsfrau – hat natürlich einiges verändert. Für mich bestand die Gefahr darin, daß ich die Geschäftswelt zu ernst nehme und mich in den ausgelegten Fußangeln der Gesellschaft verfange. Es gibt so etwas wie eine ,äußere‘ und eine ,innere‘ Weisheit. Mit der inneren Weisheit der Frau meine ich den Zustand, daß Frauen überwiegend zu Hause bleiben und sich dadurch mehr mit sich selbst beschäftigen. Wohingegen Männer in die Gesellschaft hinausgehen und sich mit ihr auseinandersetzen müssen. In den fünf Jahren der Zurückgezogenheit haben John und ich viel über unser inneres Selbst gelernt. Die logische Trennung in innere und äußere Weisheit, in Frau und Mann, traf für uns daher nicht unbedingt zu. „

Johns Erbe

„An allem, was John geschaffen hat, soll die Welt teilhaben können. Es liegt in meiner Verantwortung, sein Erbe angemessen zu veröffentlichen. Aber zur rechten Zeit und auf die rechte Art. So, wie es John vermutlich selbst getan hätte. Ich sehe es als eine große Verantwortung und will nichts überstürzen. Ich bin mir sicher, daß seine Fans dafür Verständnis haben.“

Sean und die Zukunft

„Ich sehe es als meine vorrangige Pflicht, zu überleben und lange genug für Sean zu leben. Denn er ist ständig von der Furcht bewegt, vielleicht sogar Vollwaise zu werden. Das belastet ihn. Seiner Meinung nach ist er kein privilegiertes Kind. Sicher, er stand seinem Vater ungemein nah, näher als das gewöhnlich der Fall ist zwischen Vätern und Söhnen. Was wohl daran lag, daß John bei ihm sowohl eine Vater- wie Mutter-Rolle einnahm. Wahrscheinlich auch noch die eines Freundes. Es ist also unglaublich hart für ihn, sich einem Leben ohne John anzupassen. Und ich kann und will nicht versuchen, John zu ersetzen. Sean und ich wissen beide, daß wir leere Räume in unserer Seele haben. „